Obst und Beeren

Am Markte befinden sich vielerlei Obstfrüchte, die sich nach der Reife mehr oder weniger lange halten, also teilweise überwintern; den nicht überwinternden gibt man den Vorzug, um sich seinen Anteil an der Freigebigkeit der Natur zu sichern. Da der einheimische Markt für jeden Geschmack und jedes Temperament etwas Passendes bietet, können wir die tropischen Früchte zurückstellen. Besonders die Jugend braucht die süßen Obstfrüchte, nicht aber gesüßte oder gezuckerte. In vorgerücktem Alter kommt uns nur voll ausgereiftes Obst zu, weil unreifes Obst versäuert und allerlei Unannehmlichkeiten herbeiführt. Vorsicht ist daher der beste Schutz und wenn wir alle vermeidbaren Beschwerden vermeiden, werden wir nie nötig haben, etwas zu bereuen.

Obstfrüchte sind Anregungs- und Ausscheidungsmittel, wenn wir uns nicht an einer Sorte überessen, Schalen, Häute, Kerne und Samen entfernen und uns die richtige Zusammenstellung und Zukost angelegen sein lassen. Man wechsle häufig zwischen Steinobst und Samenfrüchten, stelle süßes und säuerliches zusammen und verwende alles in natürlichem Zustande, also nicht gekocht, gedünstet, gebacken oder gedörrt. Gebrauche nie Zucker zu rohem Obst; aber dicke, ungesüßte Sahne paßt dazu, ebenso Erdnüsse, die die Verdauung und Umwandlung fördern. Eine Obstmahlzeit beschließt man mit etwas Körnerfrüchten, Getreideflocken, Puffmais oder einer Scheibe Brot. Hat man des Guten zuviel getan, dann nehme man 1 Tasse schwarzen Kaffee oder Tee, also ohne Zucker und auch ohne Sahne. Der Tee kann aber mit einer Scheibe Zitrone und einigen Körnchen Salz je Tasse angerichtet werden. Auch Kakao paßt zu einer Obstmahlzeit, wenn er mit Milch bereitet und mit etwas Vanille gewürzt ist.

2 kleine Pfirsiche gehen mit 1 Pflaume zusammen, aber nicht 5 Pflaumen mit 1 Pfirsich. 1 Pfirsich kann als Letztes auch zu Trauben und Äpfeln hinzugenommen werden, darf aber nicht vor den Äpfeln genommen werden, um Beschwerden zu vermeiden. Pfirsich verbindet sich auch nicht gut mit Aprikosen. Aprikosen passen gut zu Nektarinen. Apfelsinen passen nicht gut nach Aprikosen und Pflaumen, wohl aber nach Äpfeln. Feigen kann man mit irgendwelchem Obst zusammen essen und sie sind besonders als Frühstück wertvoll. Ananas, Granatäpfel, Kaki, Pampelmuse und Papaya ißt man am besten für sich allein und auf den leeren Magen.

Nach einer Obstmahlzeit sollte man sich stets die Zähne putzen und das Zahnfleisch mit mentholiertem Eukalyptusöl einreiben, um der Zahnfäule vorzubeugen und die Zähne zu befestigen. "Ein Stich zur rechten Zeit spart neune seiner Zeit."

Ananas ist immer gut und ein hochwertiges Heilmittel. Man nimmt davon immer nur kleine Mengen mehrmals am Tage mit einer oder 2 Stunden Pause dazwischen. Gibt man den Saft in 1 geschlagenes Eiweiß, dann ist die Heilwirkung um so größer.

Äpfel nimmt man roh gerieben, gedünstet, gebacken oder gebraten. Die Bauchspeicheldrüse zieht großen Nutzen aus roh geriebenen Äpfeln. Würzt man die geriebenen Äpfel mit Muskatblüte, Zimt oder Paprika, dann wirken sie gut auf die Leber und verbessern die Hautfarbe. Im Ofen gebackene oder im eigenen Saft gedünstete Äpfel, "Äpfel im Schlafrock" oder Apfelklöße, mit Haferflocken und je mit einer Nelke gewürzt, sind vorzüglich gegen Darmschwäche. 1 roh geriebener Apfel, der Saft einer Apfelsine und 1 Handvoll Haferflocken geben eine gute und bekömmliche Mahlzeit. Apfeltunke und Toast als Mittagsmahl sind befriedigend, anregend und heilsam zugleich; anstelle von Toast kann man zur Abwechslung auch Mehlklöße, Nudeln oder Zwieback nehmen.

Apfelsinen und Trauben gehen nicht gut zusammen; man warte damit, bis die Trauben von den Reben geerntet sind. Aber den Zuckerkranken dient der Apfelsinensaft auch jetzt, wenn sie danach den Saft einer Zitrone trinken.

Aprikosen mit Sahne sind ein gutes Anregungsmittel. Sie wirken mehr ausscheidend, wenn man sie trocknet und dann langsam kaut; 3 Stück an 1 Tag sind genug. Getrocknete Aprikosen enthalten Spuren von Eisen- und Kupferelementen, die der Versäuerung entgegenwirken und die Vermehrung der roten Blutkörperchen fördern.

Bananen, roh geschlagen oder in der Schale gebacken oder gebraten, sind mit Reis eine ausgezeichnete, der Jahreszeit entsprechende Speise.

Birnen sollten erst geeist werden, bevor man sie ißt; dann wirken sie anregend auf die Leber und die Nerven und durch diese auf die Drüsen. Das gilt aber nur für vollreife, saftige und sehr wohlschmeckende Birnen. Unreife Birnen sind auf alle Fälle schädlich, besonders für Frauen, und sollten deshalb nie gegessen werden. Wer skrofulös veranlagt ist und zu Fibromen, Geschwüren und Krebs neigt, meide rohe Birnen überhaupt und nehme sie, im eigenen Saft gedünstet, auch nur ausnahmsweise zusammen mit Klößen.

Kaki sollte man ganz reif werden lassen, bis sie weich sind, und dann noch auf Eis legen. So sind sie heilsam gegen Skrofulose und Krebs.

Oliven sollte man ausreifen lassen und trocknen und sich davon einen Vorrat für den Winter eintun. 6 Stück nach jeder Mahlzeit fördern die Verdauung. Hält man 2 Obstmahlzeiten am Tage, dann sollte man mehrmals täglich 1 Kaffeelöffel voll Olivenöl oder einige Tropfen in Traubensaft einnehmen.

Pflaumen darf man mäßig genießen, nachdem man die Haut abgezogen hat; kaut man den mandelartigen Kern, dann vermeidet man Versäuerung. Rohe geschälte oder im eigenen Saft gedünstete Pflaumen mit Puffmais beheben Verdauungsschwäche. Persimonpflaumen haben nur Heilwert, wenn sie vor dem Genuß gefrostet worden sind.

Weintrauben aller Art kommen auf den Markt und bieten ihren heilkräftigen Saft an. Kerne und Häute entferne man und beschließe eine Traubenmahlzeit immer mit etwas Honigkuchen, Ingwerbrot oder Melassekuchen. Weiße Trauben, besonders die kernlosen, sind allen anderen Sorten vorzuziehen und bekommen auch jedem Temperament; ißt man sie zusammen mit rohen oder getoasteten Mühlenerzeugnissen, wie Haferflocken, Weizenflocken, Gerstenflocken oder Maisflocken, dann helfen sie das Zellengewebe aufbauen und Nervenstörungen beseitigen. Am besten verdünnt man den Saft mit destilliertem Wasser und erhitzt ihn auf Blutwärme, damit sich keine Beulen und Karfunkel einstellen, wie es bei skrofulösem Zustande und bei Leberschwäche leicht geschieht. So behebt der Saft von weißen Trauben Versäuerung und ist heilsam gegen Neuralgie oder Nervenentzündung, Rheumatismus oder Muskelentzündung, Haut-, Magen-, Leber- und Darmleiden, Verstopfung, Blasen- und Nierenleiden und Grieß. Dann nimmt man den Saft, solange die Jahreszeit weiße Trauben liefert, am Morgen auf den nüchternen Magen und tagsüber, sobald man hungrig oder durstig ist, bis zum Niederlegen. Der Saft von blauen Trauben ist stark eisenhaltig und daher heilsam gegen Blutarmut, Hautleiden und Schnupfen. Am besten verdünnt man den Saft mit der gleichen Menge kochendem destillierten Wasser und trinkt ihn so heiß wie möglich auf den nüchternen Magen; danach nimmt man etwas in Milch getauchten Toast. Die hellroten Tokayer-Trauben sind heilsam gegen Lungenleiden und Asthma; die Mahlzeit beschließt man mit Reisflocken, die mit Honig gesüßt sind.

Zu einer Traubenkur eignet sich der Saft von weißen Trauben am besten. Man kann aber daneben auch den Saft von anderen Trauben nehmen, wenn man ihn zur Hälfte mit kochendem destilliertem Wasser mischt und davon auf einmal nur homöopathische Mengen nimmt; das verbessert sogar die Umwandlung der Speisen. Am besten ist es, man seiht allen frisch ausgepreßten Saft durch eine Lage Holzkohle, stellt ihn für 5 Minuten in heißes Wasser und schlürft davon 1 Weinglas voll alle 1 l/2 Stunden. Nach jedem 2. Glas nimmt man 3 Holzkohletabletten. Daneben ißt man nur, wenn man wirklich hungrig ist, und ißt auch dann nur ein wenig goldbraun geröstetes Brot, etwas erhitzte Weizen- oder Haferflocken oder gebräuntes Mehl.

Zitronen wirken jetzt besonders heilsam gegen Skrofulose und Hautleiden. Man fängt mit dem Saft einer Zitrone am Tage an, nimmt täglich eine mehr bis zum 9. Tage und verringert allmählich die Zahl in derselben Weise. Die Besserung macht sich schon in kurzer Zeit bemerkbar.