1. Abschnitt

Küche

Ernährung. Rohkost. Mahlzeiten. Körner- und Mehlspeisen. Obst und Beeren. Gemüse. Milch. Eier. Gewürze. Getränke

Ernährung

Bezüglich der Ernährung müssen wir stets im Auge behalten daß die Speisen vollständig umgewandelt werden. Ist die Umwandlung ungenügend, dann können wir noch soviel essen, gedeihen aber doch nicht. Was der einzelne für die vollständige Umwandlung zu tun hat, muß er selbst ausfindig machen; denn eine Diät- oder Ernährungskunde kann nur das Grundsätzliche erklären und den Weg zeigen.

Bei Rohkost oder ungekochter Nahrung werden wir meist bessere Erfolge erzielen als bei gekochter oder überhaupt feuerzubereiteter Nahrung. Daß wir uns nur schwer der gekochten Nahrung entwöhnen, hängt mit dem allgemein verbreiteten Vorurteil zusammen, unser Magen brauche gekochte Speisen und dazu die nötigen Anregungsmittel, wie Kaffee, Tee, Kakao; aber weder das eine, noch das andere ist notwendig. Im Gegenteil; 1 Glas heißes Wasser mit einigen Tropfen Zitronen- oder Traubensaft spült den Magen viel besser aus und ist auch der Speisenumwandlung förderlicher.

Denke jetzt mehr noch als sonst daran, daß Essen eine Gewohnheit ist, die wir im Zaume halten müssen. Wir sollten nur essen, wenn wir wirklich hungrig sind, nicht aber aus Gewohnheit oder Appetitreiz.

Je mehr wir an Jahren fortschreiten, um so weniger Nahrung brauchen wir überhaupt, aber um so eifriger müssen wir atmen, namentlich ausatmen; um Kohlensäurestauungen vorzubeugen, müssen wir also unsere Sprüche auf den Atem sprechen, unsere Lieder auf den Atem singen und unsere Gebetsübungen auf den Atem vornehmen. Wer über 40 Jahre alt ist, esse und trinke überhaupt weniger. In jüngeren Jahren trinke etwas mehr und iß weniger. In den mittleren Jahren iß etwas mehr und trinke etwas weniger.

"Was sollen wir aber essen", fragen die Neulinge immer wieder, "wenn wir alles bisher Gewohnte beiseite lassen sollen?" Darauf gibt es immer wieder dieselbe, jahrtausendalte Antwort: "Siehe, ich habe euch alles Gewächs auf Erden gegeben, das Samen trägt, und auch alle Bäume, an denen Früchte sind, die Samen tragen. Das soll eure Nahrung sein!" Diesen Rat gibt uns die Mutter Natur und hat ihn in ihr offenes Buch eingeschrieben, damit jedermann es nachlesen könne und niemand in Zweifel zu sein braucht. Dennoch murren wir auch heute noch gegen das Manna, das Brot vom Himmel, sind nicht zufrieden mit dem von der Natur Dargebotenen, lechzen nach dem Blut der Tiere und verlangen immer noch und immer wieder nach den Fleischtöpfen Ägyptens.

Wer seine Auswahl aus den Erzeugnissen der Natur trifft, erfreut sich körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und die Jahreszeit bietet jetzt eine reiche Auswahl, selbst wenn wir schwere und den Körper belastende Speisen beiseite lassen, wie Schrotbrot, Käse, süße Milch, Eier, Pasteten, Kuchen, Konserven, gepickelte Delikatessen und Süßigkeiten. Wir haben zur Auswahl Obst und Gemüse aller Art, geflockte und gemahlene Körnerfrüchte, Kleienbrot, neue Kartoffeln, Kräuter, Wurzeln, Buttermilch, Sauermilch, Zitronenmilch und Quark. Mache es dir zur Regel, aus je 7 Tagen 4 Tage kein Gemüse und 3 Tage kein Obst zu essen; der Erfolg wird dich ermutigen, damit fortzufahren.

Gegen Fettleibigkeit hilft eine bestimmte Ernährungsweise nicht hinreichend. Auch mit Übungen kommt man dem Übergewicht nicht bei; im Gegenteil vergrößern sie manchmal den Leibesumfang. Aber

die alte Methode einer Brunnenkur bewährt sich immer noch am besten; man führt sie jedoch der Einfachheit und der Billigkeit halber daheim durch. Am ersten Tage trinkt man 20 Minuten nach jeder Mahlzeit 1/4 Liter Kissinger Wasser und am zweiten Tage ein großes Glas Vichywasser; so fährt man im täglichen Wechsel fort und Woche um Woche wird man schlanker.

Wer zu mager ist und zunehmen möchte, muß fleißig seine Übungen machen, besonders die ägyptischen Übungen, weil dadurch die Verdauung verbessert wird. Er muß dafür sorgen, daß er Hunger bekommt; dann kann er alles essen, was auf den Tisch kommt, und es bekommt ihm auch, wenn er sich an gründliches Kauen gewöhnt. Er bevorzugt Gemüse aller Art, die er roh oder gebacken genießen kann. Alle Brotwaren vermeidet er und wählt als Ersatz Haferflocken und Maismehl, das ihm das nötige Fett liefert. Daneben kann er gut gerösteten Toast oder gebackene Kartoffeln mit Sahne nehmen, um alle Lücken auszufüllen und sich wohlzufühlen. Hält er sich im übrigen an eine einfache Kost, dann wird er bald zunehmen und gesund bleiben.

Immer muß man die Vernunft anwenden und bedenken, daß bei jedem andere Verhältnisse vorliegen. Was der eine gut verdaut und leicht ausscheidet, hält der Körper des anderen zurück. Deshalb muß man sich beobachten und auf die innere Stimme hören, die mahnt und warnt.

Rohkost

Rohkost ist jetzt an der Tagesordnung, wie in allen Monaten ohne R. Dadurch vermeidet man ganz von selbst schwere Nahrung. Gelegentlich darf man auch etwas gebackenes oder im eigenen Saft gedünstetes Gemüse nehmen; aber zuträglicher bleibt Rohkost. Süße Sahne ersetzt bei Rohkost das Öl. Rohkost ist ein vorzügliches Mittel gegen Schleimhautentzündung, Verschleimung und Blutverunreinigung.

 

Mahlzeiten

Es ist nicht gut, gleich am frühen Morgen zu essen. Nachdem du durch deine Toilette gegangen bist, mache einige Übungen und gehe an deine Arbeit, ohne etwas zu essen, bis du wirklich hungrig wirst und fühlst, daß ein einfaches Mahl aus Körnerfrüchten und Obst dein Verlangen befriedigt. Bist du unlustig zur Arbeit oder gereizt, dann esse nicht, weil die nervöse Spannung und der Zustand des Denkenswesens die Verdauung der Speisen verhindert. Wenn du gereizt bist und dir alles zuwider ist, dann haben sich Würmer oder Fremdorganismen bei dir eingenistet. Befreie dich davon durch Wurmtee aus Zitwersamen und mache es dir zur Regel, nichts zu essen bis nachmittags und dann verschiedenerlei Obstfrüchte zu einer knappen Mahlzeit zu genießen. Überhaupt halte dich an homöopathische Portionen und wende bei der Auswahl dein Urteil eklektisch, d. h. weise auswählend, an, damit du dem Zellengewebe wirklich Energien zuführst. Wenn du eine Zeit lang von Obst und Körnerspeisen lebst, mußt du dem Körper gleichzeitig täglich 60 Gramm Pflanzenöl und bei kräftiger Muskelarbeit sogar 120 Gramm täglich zuführen.

Zum Frühstück nimmt man am besten nur etwas vollreifes Obst mit etwas süßer Sahne und ein wenig Getreideflocken und danach 1 kleine Tasse schwarzen Kaffee. Bleibt es bei einer kleinen Tasse, dann darf der Kaffee morgens zur Anregung etwas kräftiger sein, im übrigen aber soll er mehr heißes destilliertes Wasser sein, das entfernt nach Kaffee schmeckt.

Zu Mittag wird ein Stück nicht überzuckerter Obstkuchen mit 1 Tasse Tee richtig und genügend sein. Ein Stück Kirsch- oder Pfirsichkuchen und etwas Quarkkäse sind der Verdauung förderlich. Pfirsiche, in Scheiben geschnitten, passen gut zu heißen Brötchen, Keksen oder Waffeln; nimmt man noch etwas Ahornsirup dazu, dann fördert die Mahlzeit die Verdauung und regelt die Darmtätigkeit. Nach einer solchen Mahlzeit nehme man ein kleines Stück würzigen Käse. Aprikosen- oder Feigen-Tunke und Klöße sind der Lebertätigkeit förderlich.

Vor der Abendmahlzeit trinke 1 Glas heißes destilliertes Wasser mit 1/2 Teelöffel Weinsteinpulver und beginne das Abendmahl mit einem gemischten Salat, der mit einigen Beeren ausgeschmückt sein kann, und französischer Salattunke und lasse nach Wunsch oder Verlangen ein gebackenes Gericht folgen. Neue Kartoffeln mit saurer Milch und heißem Maisbrot werden oft schon genügen; gibt man noch etwas rohe rote oder weiße Rübe hinzu, so kühlt das Mahl und erweitert Leukokytos oder das magnetische Feld im Blute. Grünmais, den man 5 Minuten in kochendes Wasser gelegt hatte, paßt gut zum Abendmahl. Roh geriebene rote Rüben, Kopfsalat oder Brunnenkresse mit ein wenig Quark, Spinat und etwas Ingwerbrot geben eine vollständige und bekömmliche Abendmahlzeit. Jedenfalls nimm nicht mehr als 3 Gerichte zur Abendmahlzeit.

3 Tropfen Eukalyptusöl in 1 Glas heißem Wasser vor jeder Mahlzeit helfen Verdauungsbeschwerden vermeiden. Wenn eine Mahlzeit Beschwerden zu machen scheint, dann nimm den Saft von 1 oder 2 Zitronen, mit 1/2 Teelöffel Salz geschlagen; trinke ihn rasch hinunter und spüle dann den Mund mit heißem Wasser.

Richtest du dich zu einem Picknick im Freien, dann bemiß die Verpflegung lieber etwas reichlicher als zu knapp, weil es im Freien immer besser schmeckt, als man dachte. Vor dem Mahl gehe den stillen Weiher oder den plätschernden Bach entlang und suche dir einen Platz, wo das Wasser deine Füße waschen und dabei mancherlei Krankheitsstoffe wegspülen kann. Dann lasse die Sonne das Trocknen und Wärmen der Füße besorgen. Dabei kannst du dich schon nach deinem Proviantkörbchen umdrehen, deine Brotschnitten mit Quark bestreichen, Schnittlauch, Petersilie und Zwiebelröhre darauf streuen und grünen Rainfarn, Wasserkresse oder wilden Senf dazu essen. Richte alles so ein, daß du nichts heimzutragen brauchst als ein glückliches, strahlendes Gesicht und die Liebe Gottes in deinem Herzen.

Körner- und Mehlspeisen

Der heißen Jahreszeit entspricht die Tropenkost; daher sind Reis und grüner Mais der beste Ersatz für Brotwaren aller Art. Gekochter, kalt abgeschreckter und nachgebackener Reis oder Reisflocken passen zu Obst oder zu Gemüse. Gebackene Nudeln, Makkaroni und Klöße mit Käse geben zur Abwechslung gute Gerichte zur abendlichen Hauptmahlzeit. Auch Teiggötter leisten gute Dienste. Man macht sie aus Brotmehl, kann diesem aber auch frisch gemahlenes Schrotmehl, Kleie oder Getreideflocken verschiedener Art beifügen, ebenso etwas braunen Zucker, um sie wohlschmeckender zu machen. Aus dem Teig macht man kleine Kuchen von 8 bis 12 Zentimeter Durchmesser. Verwendet man Eiswasser zum Teig, dann gehen die Kuchen sehr schön auf. Auch kalt gegessen haben sie gute Wirkung. Sonnengebackenes Brot sollten wir uns öfter herstellen; es wirkt gut auf die Leber, fördert die Verdauung und verringert den Nahrungsbedarf um 35 %. Wer auf Bäckerbrot angewiesen ist, sollte die Scheiben im Ofen goldbraun rösten, um das Mehl zu dextrinieren.

Obst und Beeren

Obstfrüchte sind ein Ausscheidungsmittel erster Ordnung, wertlose Speiserückstände zu entfernen; es ist ihre Aufgabe zu putzen und zu reinigen. Wer aber großes Verlangen nach Obst hat, sollte in der Obstzeit früh morgens nüchtern 1 Glas heißes Wasser mit 1 Teelöffel doppeltkohlensaurem Natron trinken, um einer Versäuerung vorzubeugen. Hat der Genuß von Obst aber doch noch Beschwerden gemacht, so trinke man 1 Tasse heißen Ingwertee, aber ohne Zucker, und wiederhole das für einige Tage, bis man die Versäuerung los geworden ist. Zum Ingwertee kocht man die Ingwerwurzel 5 Minuten lang. Überlädt man sich durch zu reichen Obstgenuß mit Säuren, dann entstehen trotz der heißen Jahreszeit leicht Erkältungen und Halsbeschwerden; dagegen benetzt man den Daumen oder den Zeigefinger mit Eukalyptusöl und reibt damit den Gaumen

und das Zahnfleisch ein. Vorsorglich ist es deshalb gut, nach jeder Obstmahlzeit etwas Zitronensaft oder 1 Tasse Schwarztee zu trinken. Wenn man nur reife Früchte genießt, hat man kein Verlangen, Zucker dazu zu nehmen; aber ungesüßte Sahne kann man immer dazu nehmen. Halbreifes Obst verursacht leicht Leiden aller Art, weil die Bauchspeicheldrüse erkrankt und das Zahnfleisch und die Zähne leiden. Nimmt man zu vollreifem Obst Ingwerbrot, so hat es immer gute Heilwirkung. Waschen des Obstes vermeidet man; ist es aber notwendig, so übergießt man es rasch mit eiskaltem Wasser. Beeren drückt man am besten aus und nimmt den Saft mit oder ohne Sahne, während sich Milch dazu nicht eignet; man kann aber Milch eine Weile vorher oder nachher trinken. Reife Beeren mit Teiggöttern kühlen das Blut und wirken abführend.

Reife Ananas hat hervorragende Heilwirkung bei allen Leiden, wenn man eine Scheibe, nicht stärker als der kleine Finger, nüchtern vor dem Frühstück und den Saft einer gleichen Scheibe abends vor dem Schlafengehen nimmt; vor allem beheben sich dabei alle Verdauungsstörungen. Aber die Ananas muß reif sein; andernfalls muß man sie ausreifen lassen. Ist man nicht ganz sicher, ob sie reif ist, dann erhitze man den Saft. Je nach der Gegend reift die Ananas zu verschiedenen Zeiten, so daß sie das ganze Jahr hindurch zu haben ist. Die zwischen Januar und April reifenden Früchte sind die besten; die zwischen August und Oktober geernteten stehen ihnen etwas nach.

Aprikosen und Pfirsiche müssen vollreif sein, wenn sie irgendwelchen Wert haben sollen. Man kann sie mit Schlagsahne oder Sahneeis nehmen. Besonders gut eignen sie sich für Puddings. Dazu schneidet man sie fein, gießt die heiße Puddingmasse darüber und läßt sie abkühlen oder stellt sie für mehrere Stunden in den Eisschrank. Nimmt man noch heißen Zwieback und heißen Tee dazu, so ist das eine bekömmliche und für heiße Tage genügende Mahlzeit. Aprikosen sind nichts für Kinder, wenn sie ihnen auch für eine gewisse Zeit nicht schaden mögen, und auch Erwachsene nehmen sie besser gedünstet, meiden sie aber sofort, wenn sie Versäuerung verursachen. Dagegen sind Pfirsiche gleichgut für jung und alt, besonders

zum Frühstück, weil sie anregend und ausscheidend wirken. Außerdem sind sie heilsam gegen Nierenleiden, wenn man sie mit etwas Sahne genießt, die die Säure neutralisiert.

Bananen, roh zerdrückt und mit Sahne geschlagen, erzeugen Vitamin. Milch nehme man nicht dazu.

Brombeeren dünstet man am besten und trinkt täglich 1 Weinglas voll Saft, solange sie am Markte sind. Sie sind heilsam für Blase, Harnröhre und Keimdrüsen. Erdbeeren nimmt man am besten nur zum Frühstück mit einem harten Toast und danach 1 Tasse schwarzen Kaffee. Dann sind sie ein Stärkungsmittel und helfen zugleich der Leber. Von Heidelbeeren nimmt man am besten 1 Woche lang täglich dreimal eine kleine Schale voll, in der nächsten Woche nur zweimal täglich und in der dritten Woche nur einmal täglich; dann erfrischen und reinigen sie die Drüsen. Von Himbeeren genügt 1/4 Liter auf einmal mit etwas Hartback oder rohen Haferflocken, um allmählich Darmleiden zu heilen. Kinder sollten sie nur als Marmelade bekommen und in den Reifejahren stehende Mädchen müssen sie ganz meiden. Stachelbeeren muß man für sich allein nehmen und darf auch keine Buttermilch dazu trinken; dann heilen sie Leberleiden.

Kirschen wirken anregend und man nimmt sie, so oft man Verlangen danach hat, aber am besten für sich allein und nicht zuviel auf einmal. Mit Klößen geben sie eine schmackhafte und befriedigende Mahlzeit.

Pflaumen sind am besten gedünstet oder als Backpflaumen. Beim Dünsten gibt man eine Nelke und etwas Zimt hinzu; dann sind sie ein anregendes und ausscheidendes Nebengericht, das gut zu Klößen paßt. Kamillentee danach ergänzt die Mahlzeit gut.

Weintrauben, besonders kernlose, sind am Markt und als erhitzter Saft heilsam gegen Magenleiden. Trauben als Genußmittel sollte man immer nur wenig auf einmal nehmen. Nimmt man zuviel, dann sammelt sich Traubenzucker an und macht das Blut zu schwer, so daß die Natur den Überschuß durch Geschwüre ausscheidet, die nicht nur entstellend wirken, sondern auch schmerzhaft sind. Dagegen muß

man dann Abführmittel und alle 3 Stunden 2 Holzkohletabletten nehmen und örtlich Terpentinöl einreiben. Übermäßiger Genuß von Trauben erzeugt auch leicht großen Durst, wogegen man reichlich destilliertes Wasser trinkt.

Gemüse

Alle Gemüse, die die Jahreszeit bietet, sind an der Tagesordnung. Soweit man sie nicht roh als Salat oder Salatbeilage nimmt, bäckt man sie trocken im Ofen oder dünstet sie im eigenen Saft mit etwas Öl in einem gut schließenden Topfe; man kocht sie also nie in Wasser. Aber Gurken, Spinat, Spargel, Blumenkohl, grüne Bohnen und ähnliche Gemüse kann man zerkleinern, 1 Stunde in leichtes Salzwasser legen, um die Säuren zu entfernen, und dann zweimal in eiskaltem Wasser waschen, bevor man sie dünstet. Frische Gemüsespitzen von Radieschen, roten Rüben, Petersilienwurzeln und Zwiebeln geben ein gutes, gedünstetes Gericht; gibt man Spinat hinzu, so hat man ein neues, sehr schmackhaftes Gericht, das die Verdauung fördert. Salat kann stets das Hauptgericht einer Mahlzeit bilden, besonders wenn man mit den Beilagen wechselt; Tomaten, Gurke, grüne Bohnen, grüne Erbsen, Palmenmark, Bambus- und Bohnensprossen verbessern den Salat nicht nur, so daß er Vitamin erzeugt, sondern gestatten auch viele verschiedene Zusammenstellungen; hat man keinen Kopfsalat, dann nimmt man Blattsalat, römischen Salat oder zartes Weißkraut. Ein gemischter Salat sollte grundsätzlich nur aus 3 Grundbestandteilen bestehen; alles weitere dient nur der Verzierung oder Ausschmückung.

Gibt man den Gemüsen Gewürze oder Gewürzkräuter bei, so verbessert sich ihr Geschmack und ihre Heilwirkung. Gib Pfefferminze zu Erbsen, Salbei und Bohnenkraut zu Bohnen, Anis oder Kümmel zu Karotten, Fenchel, Dill oder Kümmel zu Kartoffeln, Kümmel zu Wasserrüben, Anis oder Kümmel zu roten Rüben, Senfkörner zu Mais, Selleriesamen zu Kürbis und Squasch, Thymian zu Spargel, Gurken und Tomaten. Diese Verbindungen entwickeln Heilkräfte

im Körper, die Krankheiten vorbeugen. Schon im Avesta heißt es, daß es 10 000 und mehr Heilkräuter gibt, von denen jedes imstande ist, einer gewissen Verfehlung abzuhelfen und dem Menschen Gesundheit und Glück zurückzugeben.

Neue Kartoffeln, trocken gebacken, sollten wir jetzt täglich genießen und andere Zubereitungen nur zur Abwechslung wählen oder noch besser bis zum Herbst verschieben. Neue Kartoffeln mit Sahne oder Buttermilch kühlen, erfrischen und heilen Rheumatismus und Schwindsucht; aber Kaffee meide man daneben. Neue Kartoffeln, mit etwas Dillsamen in soviel Wasser gekocht, daß es verdampft ist, wenn sie gar sind, helfen mit einer Schale Sauermilch die Verdauung ordnen; die Dicken werden dabei nicht dicker, die Mageren runden sich aus bei dieser Kost und sogar ein Kranker fühlt sich wohl dabei. Neue Kartoffeln in der Schale oder Grünmais in der Blätterhülle in heißer Holzasche gebacken, sind sehr wohlschmeckend und entwickeln Saline, die anders nicht erzielbar sind. Für Kartoffelsuppen verwendet man die Kartoffeln ganz und drückt sie nach dem Garwerden durch ein Sieb; so macht man es auch mit anderen Gemüsen für Suppen. Kartoffelwasser wirkt günstig auf die Nerven, besonders der feineren Organe und ist gleichzeitig ein Augenheilmittel mit erstaunlich guter Wirkung.

Kürbis und Squasch leisten jetzt gute Dienste gegen Blutarmut und Magenschleimhautentzündung. Kürbis ist, roh oder gebacken, das beste Mittel gegen chronische Blinddarmentzündung. Nimmt man Squasch als Ersatz für Kartoffeln wenigstens einmal täglich, so hält er die Eingeweide in Ordnung und kräftigt die Bauchspeicheldrüse. Kürbis kann man roh, gedünstet oder gebacken nehmen. Dünstet man ihn, dann drückt man ihn durch ein Sieb; bäckt man ihn, dann ißt man ihn aus der Schale ohne alle Zusätze.

Mais als süßer Grünmais heilt eine träge und geschwollene Leber. Er kann jetzt alle Brotwaren ersetzen. Ißt man zu Beginn jeder Mahlzeit einen kleinen Kolben, dann verliert sich Verstopfung; man legt ihn 20 Sekunden in kochendes Wasser und ißt ihn heiß.

Melonen aller Art sind am Markte und jeder mag sich die ihm zusagende Art auswählen. Sie neutralisieren die Säuren und helfen den Nieren, besonders die Wassermelonen. Man nimmt dazu 1 Prise Salz, Cayenne, Muskatblüte oder Zimt. Hält man sich bei Zuckerkrankheit 3 Wochen lang täglich an Wassermelonen, ißt man Haferflocken dazu und trinkt man vor jeder Mahlzeit 1 Glas heißes destilliertes Wasser mit 1/2 Teelöffel doppeltkohlensaurem Natron, so wird man staunen, wie rasch der Zuckergehalt zurückgeht.

Rhabarber wirkt roh und ungesüßt am besten; jedoch darf man Rhabarberkuchen mit braunem Zucker oder Honig süßen.

Rüben, weiße, rote, gelbe, wirken, roh gerieben und mit Zitronen oder Rhabarbersaft angemacht, kühlend; ebenso Gurkensalat, der außerdem reine Hautfarbe verschafft, wenn man daneben leichten Tee trinkt und Kaffee meidet.

Spargel ist noch frisch zu bekommen, wenn auch die Hauptzeit vorüber ist. Soweit man ihn haben kann, bediene man sich seiner und sei glücklich. Es kommt ja nicht auf das "Viele" an, sondern auf das Wenige, das man regelmäßig wenigstens 10 Tage lang genießt.

Tomaten werden beinahe von jedermann vertragen, wenn man Haut und Samen nicht mitißt. Sie tuen den Darm- und Leberleidenden gute Dienste und die gelben sind besonders heilsam für den Zwölffingerdarm und gegen Gelbsucht. Nimmt man Tomaten zu Heilzwecken, dann ißt man sie am besten für sich allein.

Grüne Bohnen stehen jetzt und bis in den Herbst zur Verfügung. Sie wirken gut auf den Darm, beleben den Blutumlauf, indem sie die roten Blutkörperchen vermehren helfen, und hellen die Haut auf und machen sie samtartig. Wir sollten häufig davon Gebrauch machen, am besten aber immer nur als Beilage.

Grüne Erbsen mit dünner Schale geben roh eine gute Salatbeilage. Sie sind heilsam gegen Blutarmut. Mit Hafer- oder Weizenflocken stillen sie den Hunger ausgezeichnet.

Milcherzeugnisse

Süße Milch ist in der heißen Jahreszeit nur bekömmlich, wenn sie frisch gemolken ist. Aber Buttermilch, saure Milch, Zitronenmilch, Molke und Quark tuen jetzt die besten Dienste. Sauermilch sollte man nur in irdenen Gefäßen bereiten, nie in Metallschalen. 1 Schale Sauermilch, 1 Prise Muskatnuß, 1 Scheibe Kleienbrot und ein Gemüse geben eine erfrischende Mahlzeit, regen die Hauttätigkeit an und ordnen die Verdauung. Buttermilch ist warm oder kalt ein anregendes und erfrischendes Getränk; man würzt sie mit etwas Muskatnuß. 1 Glas solcher Buttermilch, 1 Scheibe Kleienbrot und etwas Obst geben eine herrliche Mahlzeit bei heißem Wetter. Wenn man gute Buttermilch käuflich nicht bekommen kann, bereitet man sich besser Zitronenmilch, indem man den Saft einer halben Zitrone langsam in 1/2 Liter süße Milch träufelt, die man mit einer Gabel rasch schlägt; man würzt mit einer Spur Vanille, besonders wenn man an Schwindelanfällen leidet. Jetzt darf man die Zitronenmilch auch so zubereiten, daß man in 1/2 Liter süße Milch den Saft von 2 Zitronen und 1 Apfelsine gibt und 1 Teelöffel braunen Zucker oder Honig und 1 Prise Muskatblüte hinzufügt. Jeder wähle sich das für ihn Richtige aus; die Hauptsache ist, daß gute Verdauung erzielt wird. Quark, der mit Schnittlauch, Zwiebeln, süßer Sahne, etwas Paprika, Kümmel und Salz angemacht wird, ist ein sehr bekömmliches Gericht.

Eier

Eier läßt man jetzt besser beiseite. Doch können rohe Eier genommen werden, wenn man sie mit rotem Pfeffer würzt und Obst dazu genießt. Mit zunehmenden Jahren sollte man auf Eier und ebenso auf frische Butter verzichten, sobald sich die geringste Verschleimung im Halse bemerkbar macht. Knaben im Reifealter sollten überhaupt keine Eier genießen, ganz besonders nicht in der heißen Jahreszeit, weil sie fieberische Hitze in den Keimdrüsen erzeugen und dadurch Reizzustände und anderes Ungemach verursachen.

Gewürze

Ebenso wie aromatische Samen und Kräuter an der Zeit sind, sind es auch die Gewürze der Tropen. Je heißer die Tage sind, um so kräftiger darf man würzen. Aber das gilt nur für den tätigen Menschen, der dadurch die aufdringliche Hitze der Natur ausgleicht. Wer aber gewöhnt ist, ein Leben der Untätigkeit zu führen und im Schatten der Bäume zu ruhen, sollte nur kühlende Speisen genießen und sich in eine mehr nördliche Gegend begeben.

Getränke

Wenn du Durst hast, iß etwas und laß alle Getränke beiseite. Falls man aber doch Wasser trinkt, sollte es destilliert sein, weil destilliertes Wasser das Blut wäscht. Frisches Quellwasser, an der Quelle getrunken, bekommt der Jugend; ältere Leute meiden es besser. Saure Milch, Buttermilch, Zitronenmilch, Molke, Sahne, mit destilliertem Wasser verdünnt, sind in jedem Falle dienlicher. Heißer Tee aus frischen Blüten erweist sich wohltätig gegen die Hitze und zugleich heilsam, besonders Tee von wilden Rosen, Holunder, Lindenblüten und Butterblumen.

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