JULI

Der Juli ist der herrliche Monat, in dem die elektrischen Kräfte in der Natur ihren Triumph feiern und uns auffordern, soviel wie möglich in der freien Natur zu leben, sei es durch Feld- und Gartenarbeit, sei es durch Spaziergänge und Ausflüge, bei denen wir unsere Mahlzeiten im Freien einnehmen.

Wenn wir uns im Einklang mit der Natur halten und unser Leben den Gesetzen der Erde anpassen, wird uns auch die sommerliche Hitze nicht zur Last werden, die der Juli mit sich bringt und die doch so nötig und heilsam für den Menschen ist, damit er sich von so manchem Überflüssigen freimache und dadurch zu größeren Leistungen bereit sei. Die Hitze soll uns nicht niederdrücken, sondern im Gegenteil uns frei und freudig machen und uns zu größerer Tätigkeit anregen. Die Fliegen und die Mücken, die die Hitze des Monats ausbrütet, sind nur ein Ansporn der Natur, daß wir uns rastlos betätigen, damit unsere Arbeit Früchte trage.

Daher ruft uns der Juli als erste Mahnung zu: "Arbeite!" Hast du nicht selbst Feld oder Garten, so hilf deinen Freunden oder hilf den Landleuten bei ihrem Tagewerk. Sei tätig, wo und wie du kannst, und du wirst dich wohler fühlen als bei schlaffem Nichtstun. Wenn du aber nichts zu tun hast, so wandere hinaus in die Berge und fülle deine Brust mit dem Gottessegen, der jetzt draußen webt und schafft.

Stimme ein in den Jubelgesang der Vögel und lasse deine Stimme ertönen; denn die Mutter Natur liebt es, den Ausdruck der Freudigkeit zu hören. Sei glücklich, bis sich die ganze Welt des Glückes erfreut. Sobald du hinausziehst ins Freie, laß alle Lasten und Sorgen, die dein Herz beschweren, hinter dir. Denn wir haben allen Grund, glücklich zu sein angesichts der Segensfülle, die die Natur jetzt für uns bereit hält.

Bleibe im Freien, soviel du nur kannst. Schon den Spätnachmittag sollten wir im Freien verbringen und unsere Abendandacht draußen

in einem stillen Winkel halten. Nimm das Nötige zu einer Mahlzeit im Freien mit und versuche, dir einen frischen Salat aus dem Grün zu machen, das dir die Natur frei anbietet. Selbst zwischen Felsen findest du ein heilkräftiges Blättlein oder Hälmlein, das dir helfen wird, deine Sorgen über die Unzulänglichkeiten der Welt zu beheben. Selbst am abgelegensten Platze findet sich ein Kraut, eine Wurzel, eine Rinde, eine Knospe, eine Beere, die deiner Gesundheit förderlich ist, und bald wirst du lernen, deine Auswahl zu treffen, wenn du durch Berg und Tal streifst.

Jeden Sonntag gehe hinaus in den Wald, an die See, in die Berge, wohin dein Verlangen nach Abwechslung dich zieht, und nimm dein Mahl unter den Zweigen des Waldes oder am Feldrain neben blühenden Blumen ein. Damit erweisest du Körper, Seele und Geist jetzt mehr Gutes, als wenn du in die Kirche gehst und in der Kirchenbank einschläfst. Abends bringe ein heiteres Gesicht und gehobene Stimmung mit nach Hause, in der die Liebe zu Gott und zu seinen Werken in der Natur schwingt.

Besonders die Kinder müssen jetzt Freiheit bekommen, sich nach Herzenslust im Freien zu tummeln, die gesunden, damit sie nicht kränklich werden, und die schwächlichen, damit sie kräftig werden. Wenn Kinder unlustig, bequem, träge, faul und kränklich werden, kommt es nur daher, daß sie keine Gelegenheit bekamen, sich in Gedanken, Bewegungen und Handlungen frei auszuwirken. Nehmen wir sie mit aufs Feld oder in den Garten und geben ihnen mit der Arbeit ein gutes Beispiel, dann folgen sie bald von selbst dem Beispiel. Das heißt, dem Herrn vernünftiger dienen, als die Kinder in die dumpfige Sonntagsschule zu schicken und in die Kirchenbank zu setzen, wo sie alle möglichen Gedankengänge unterhalten, nur nicht solche, die sich auf das Himmelreich beziehen.

Die Kinder brauchen weder Überwachung durch Kindermädchen, noch Kontrolle mit Medizinen, sondern Freiheit, zu klettern, durch den Bach zu waten, in Pfützen zu treten, auf die Bäume zu klettern wie die Katzen, sich herumzubalgen und zu puffen und dabei so hungrig zu werden, wie sie nur wollen, damit sie nach einer einfachen

und ihnen zusagenden Mahlzeit erquickend schlafen und am nächsten Morgen erwachen, bereit, sich von neuem mit ihresgleichen zu tummeln. Die Natur besorgt dann das übrige, damit Ausgleich und Fortschritt kommen.

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