Bäder

Die Wintermonate sind sowohl für den Norden als auch für den Süden die Jahreszeit, in der man der Körperpflege besondere Aufmerksamkeit schenken soll. Es schadet dem Körper nichts, wenn er einmal gründlich durchfrostet; nur sollten wir danach eine Trockenabreibung vornehmen, um durch die Eigenbewegung die Haut wieder zu erwärmen.

Ähnliches erzielt man mit einem Wechselbad. Dazu gießt man vermittels einer kleinen Teekanne handheißes Wasser langsam über die Stirn, das rechte und das linke Ohr, den Nacken, die rechte und die linke Schulter, die rechte und die linke Brust, die rechte und die linke Hüfte, den rechten und den linken Oberschenkel, die rechte und die linke Wade, das rechte und das linke Fußgelenk und schließlich über die Zehen am rechten und am linken Fuße. Unmittelbar danach verfährt man mit kaltem Wasser in der gleichen Weise. Danach reibt man den ganzen Körper mit den eigenen Händen, bis er trocken ist, und ölt ihn mit Mandelöl gründlich ein. Je mehr man sich bei der ganzen Behandlung entspannt, umso eher stellt sich ein wohliges Prickeln im ganzen Nervensystem ein. Nimmt man ein solches Wechselbad mehrere Tage hintereinander morgens und abends, dann treten krankhafte Neigungen zurück, allmählich verschwinden sogar Krankheitszustände, die bisher keiner Behandlung weichen wollten, und eine allgemeine Kräftigung setzt ein, besonders wenn man sich gleichzeitig einer einfachen Ernährungsweise ergibt, vor allem getriebene Backwaren vermeidet und sich an Kräutertee aller Art hält, wie Flieder-, Jaborandi-, Kamillen-, Lindenblüten- und Rosenblättertee.

Heiße Bäder sind beim Eintritt des kalten Wetters nicht so nötig wie das Reiben und das Einölen der Haut mit Petrolatum. Wenn wir darauf achten, erleichtert uns ein kaltes Lüftchen nur das Atmen und ein Spaziergang in der kalten Winterluft verleiht uns rosige Wangen. Wenn man aber aus heißen Bädern vollen Nutzen ziehen will, so bade man nicht nur sehr heiß, sondern lasse, während man sich wäscht und reibt, immer noch heißes Wasser nachfließen, bis der Schweiß nicht nur in Perlen auf der Stirn steht, sondern aus allen Poren strömt und man meint, es nicht länger in dem heißen Wasser aushalten zu können. Nachdem man einen kräftigen Schweißausbruch erzielt hat, reibt man so lange Petrolatum in die Haut ein bis die Poren eine fettige Substanz ausscheiden. Dann reibt man sich mit einem Handtuch ab, bis die Haut samtweich ist, trocknet sich vollends mit einem Tuche und geht zu Bett. Am nächsten Morgen nimmt man ein sehr heißes Bad, bis der Schweiß kommt. Macht man das 3 Tage hintereinander, dann begreift man, warum die Avesta-Leute soviel Wert auf das Einölen der Haut legten und warum sie in manchen Fällen auch Milch, Wein, Essig, Butter oder Eier verwendeten, um die Hauttätigkeit aufrecht zu erhalten.