Gemüse

Gemüse sind roh als Salate, gedünstet, gebacken oder in Bratlingen und Symposien verwendbar und gestatten fast unbegrenzte Abwechslung. Manche Gemüse wird man waschen müssen; man lasse sie aber nicht zu lange im Wasser liegen, damit ihre wertvollen Salze nicht ausgelaugt werden. Rohe gemahlene Erdnüsse, Mandeln oder Nüsse sind feine Ergänzungen. Auch gepickelte Gemüse können in der Festzeit als Beilagen dienen.

Für Salate hat man immer noch genug frische Gemüse, wie Chicoree, Endivie, Gurke, Kopfsalat, Kohl, Pfefferschote, Radieschen, Rettich, Sauerampfer, Senf, Wasserkresse, Zwiebeln, und dazu alle Wurzelgemüse, wie Karotten, Meerrettich, Pastinaken, Rüben, Knollensellerie. Mit Petersilie, Schnittlauch und aromatischen Samen, wie Anis, Dill, Kümmel, Sellerie, gestatten sie reiche Abwechslung.

Ein kleiner Salat sollte auch einer Gemüsemahlzeit immer vorausgeben, weil er ausscheidend und anregend wirkt und unser Urteil klar hält, was und wieviel oder wie wenig wir noch zu dieser Mahlzeit benötigen. Dann wird dich ein einfaches Hauptgericht oder auch 1 Scheibe Brot und etwas Suppe in vielen Fällen schon zufrieden stellen. Besonders Genesende und Kranke sollten hierauf achten und den Gesunden sind Salate unentbehrlich, um den Körper in Ordnung zu halten. Große Mengen Salat vermeide man, da sie verstopfen.

Roter oder grüner Pfeffer am Salat regt die Darmtätigkeit an. Kopfsalat und Sellerie sind heilsam gegen Nerven-, Nieren- und rheumatische Beschwerden. Gurken mit Zwiebeln, Radieschen mit Spargel, rote Rüben mit Schnittlauch, Sauerampfer mit Sellerie, Weißkohl mit Kümmel, Kohl aller Art mit Wasserkresse oder schwarzem Rettich, Kürbis mit Salbei oder Majoran sind Zusammenstellungen, die die Drüsen beleben, so daß ihre inneren und äußeren Sekretionen reicher fließen und die Energien und Intelligenzen des Körpers wecken.

Gibt man den Salaten noch etwas Agar-Agar, Carageen-Moos, Arrowroot oder Okraschote bei, so sind es schon vollständige Mahlzeiten, die nicht nur befriedigen, sondern auch das Gefühl aufkommen lassen, daß man einen neuen Lebensabschnitt voll Freude und Erwartung beginnt und daß allerhand Beschwerden und Leiden zurücktreten.

Gute Hauptgerichte liefern jetzt Artischocken, Eierpflanzen, Kartoffeln, Kohl oder Kraut, Kürbis, Mais, Meerrettich, Melonen, Pastinaken, Rüben, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spinat, Tomaten, Zwiebeln. Man kann sie in der verschiedensten Art zubereiten, schon dadurch, daß man sie entweder ganz läßt oder in verschiedenen Graden zerkleinert.

Manche Gemüse, wie gelbe, weiße und rote Rüben, Pastinaken und Tarowurzeln, mögen nicht gerade wertvolle Nahrungsmittel sein; aber ihre Salze sind von unschätzbarem Werte, besonders in Verbindung mit Reis, Gerste, Mais, Kichererbsen, Limabohnen, Sojabohnen, Sago, Tapioka und Arrowroot. Alle geriebenen Wurzelgemüse werden wertvoller, wenn man sie mit Mehl und Butter oder mit Mehl und Eiern anrichtet und im Ofen oder einem gutschließenden Topfe bäckt; bei solchen Zubereitungen sollte man nie Wasser oder Milch verwenden. Auch gebackene Gerichte aus Tomaten, Zwiebeln, Sellerie und Petersilie und abwechselnd aus gekochter Gerste, Reis oder Kartoffeln, gewürzt mit Lorbeer, Cayenne und etwas Salz, sind sehr schmackhaft, nahrhaft und bekömmlich.

Artischocken beleben die Nerven und sind daher den Nervösen besonders zu empfehlen und auch allen denen, deren Gesamtorganismus nicht reibungslos arbeitet.

Bambussprossen haben wir vielleicht noch nie gekostet; aber wir sollten versuchen, sie uns zu beschaffen, weil sie die Drüsen beleben, was uns allen nottut.

Eierpflanzen und Schwarzwurzeln sind heilsam gegen Nerven und Nierenleiden.

Kartoffeln, im Ofen gebacken, sind gesund, ebenso Kartoffelbrei wenn er im Ofen nachgebacken worden ist, damit das Stärkemehl dextriniert. Kartoffeln, auf französische Art in Olivenöl gebacken, geben mit Salatherzen und Quark eine befriedigende Mahlzeit. Kartoffelsalat macht man mit französischer Salattunke und feingeschnittenen Zwiebeln an, die man zuvor in Olivenöl gelegt hatte; als Gewürz gibt man Selleriesamen hinzu. Manche Temperamente bedürfen des Belladonnas der Kartoffel nicht und bescheiden sich deshalb am besten mit ganz wenig Kartoffeln.

Kohl ist nicht nur gut für die Hühner, damit sie mehr Eier legen, sondern auch für alle, die an einer trägen Leber leiden. Einige zarte rohe Weißkrautblätter, vor der Mahlzeit als Salat genommen, kühlen eine geschwollene Leber und verhüten Gelbsucht. Krautsalat mit französischer Salattunke paßt zu jeder Mittags- und Abend-Gemüsemahlzeit.
Gebackenes Weißkraut mit Reis ist willkommen zur Abendmahlzeit. Gebackenes oder im eigenen Saft gedünstetes Kraut mit Kastanien nimmt jeder gern; die Kastanien legt man in kochendes Wasser, damit sie sich leicht schälen lassen wie Mandeln, spült sie kalt ab, dünstet sie mit ein wenig Wasser und Butter und 1 Messerspitze Zucker gar und mischt sie unter das gebackene oder gedünstete Kraut gerade vor dem Anrichten. Hast du schon versucht, einen ganzen Krautkopf in einem gut schließenden Topfe zu backen? Übergieße den Krautkopf zunächst mit kochendem Wasser, lasse es nach 3 Minuten ablaufen, höhle den Stiel aus, fülle die Höhlung mit Zwiebel und etwas Butter oder Öl, lege den ganzen Kopf in einen gut schließenden Topf und backe ihn im Ofen gar. Solches Kraut bekommt jedem Magen. Blumenkohl und feste Salatköpfe können ebenso zubereitet werden. Sauerkraut ist heilsam gegen Verdauungsstörungen und Leberleiden; es muß aber roh genommen werden. Gekochtes Sauerkraut hat seine Heilkraft eingebüßt und belastet die Verdauung; man meidet es deshalb.

Kürbis ist in allen seinen Arten wertvoll für Gesunde und Kranke; Leidende sollten ihn anstelle von Kartoffeln nehmen. Alligator-Kürbis ist besonders heilsam und sollte allgemein reichlich verwendet werden. Roher Kürbis ist ein gutes Ausscheidungsmittel, das sogar Würmer vertreibt; um rasch Erfolg zu haben, nimmt man vor jeder Mahlzeit auf den leeren Magen etwa 100 Gramm roh geriebenen Kürbis mit 1 Messerspitze Anissamen. Gefüllter und gebackener Kürbis ist immer gesund und schmackhaft.

Mais am Kolben ist zwar nicht mehr zu haben; aber man erhitzt sich Büchsenmais, gießt die Flüssigkeit ab und ißt ihn mit aufgebackener Kleie oder mit Kleienbrötchen; er ist Balsam für die träge Leber und den Zwölffingerdarm. Man kann den erhitzten Mais auch durchschlagen, mit Kleie oder Brotbrösel vermischen und nachbacken.

Meerrettich, roh gerieben, in Milch gesimmert und mit etwas gebräuntem Mehl verdickt, ist heilsam für Leber und Magen.

Melone mit Haferflocken wirkt ausscheidend und ist ein gutes Stärkungsmittel für Genesende und Kranke.

Pastinaken frostet man zwischen Eisstücken, reibt sie dann und bäckt sie mit etwas Butter in einem gut schließenden Topfe. Sie sind nicht nur schmackhaft, sondern auch heilsam gegen Darmleiden.

Rüben, und zwar die weißen, heilen Geschwülste und Harngrieß, wenn man sie 28 Tage lang täglich roh gerieben und mit spanischen Zwiebeln nimmt. Spinat mit Senfblättern oder grünen Pfefferschoten passen gut dazu. Reichlich Olivenöl zu den Mahlzeiten und reichlich destilliertes Wasser zwischen den Mahlzeiten beschleunigen den Erfolg.

Schwarzwurzeln, gebacken oder im eignen Saft gedünstet, sind heilsam gegen Verdauungsschwäche.

Sellerie-Grün oder grüne Selleriespitzen sollte man 5 Wochen lang täglich nach jeder Mahlzeit nehmen, um die Nerven zu erquicken und Nieren-, Blasen- und rheumatische Leiden zu vertreiben. 1 kleine Handvoll nach jeder Mahlzeit genügt.

Symposien sind an der Zeit. Roh geriebene gelbe und weiße Rüben und Kartoffeln geben mit Kastanien, gemahlenem Toast, gebräuntem Mehl, Eiern, Zwiebel, Knoblauch, Petersilie, Salz und 1 Prise Zucker ein feines Symposium, das man in einem gut schließenden Topfe bäckt. Legt man einige Kohlblätter oben darauf, damit die Feuchtigkeit nicht entweicht, so wird das Gericht umso schmackhafter. In ähnlicher Weise kann man viele abwechslungsreiche Gerichte bereiten, die schmackhaft, nahrhaft, gesund und heilsam sind.