Ernährung

Freilich von der geistigen Erneuerung in der Winterszeit weiß man heute fast nichts mehr und füllt deshalb die Wintermonate mit veräußerlichten Festlichkeiten aus, die sich in Ermangelung eines geistigen Kernes ganz in materielles Genießen verlaufen.

Wir können aber sehr wohl die Feste der Jahreszeit mit all ihren materiellen Freuden feiern, ohne der Genußsucht zu frönen. Wir können uns aller Gaben der Natur bedienen, die sie uns so reichlich darbietet, und dabei unsere geistige Gewandtheit in der Zubereitung bekömmlicher und doch schmackhafter Gerichte offenbaren. Jetzt brauchen wir auch nicht zu Fasten; wer es aber doch tun will, Faste unauffällig und bleibe dabei heiter und tätig.

Wenn wir dann das gut und richtig Zubereitete mit Dankbarkeit im Herzen genießen, bekommt es uns auch und wir laufen nicht Gefahr, mehr zu essen, als uns gut tut. Gemüse und Obstfrüchte sind reichlich am Markt und wenn wir eine weise und abwechselnde Auswahl treffen, können wir auch unserem Körper wirkliche Festtage bereiten, da auch gebackene und gedünstete Speisen an der Zeit und vielerlei Zusammenstellungen möglich sind.

Unser Temperament muß den Ausschlag geben bei der Wahl, die wir treffen, und bezüglich der Menge müssen wir bedenken, daß auch an sich gesunde und stärkende Gerichte uns schaden, wenn wir zuviel davon nehmen, sei es überhaupt zuviel oder zuviel mit Rücksicht auf unser Alter oder unseren Gesundheitszustand.

Wir brauchen uns nur zu beobachten, dann beweisen wir uns immer wieder, daß wir trotz der Kälte kein Verlangen nach großen Mengen haben, je mehr wir für Abwechslung sorgen, je mehr wir mit dem Gedanken beim Essen sind und je besser wir jeden Bissen kauen. Den Magen auf eine Mahlzeit warten zu lassen, bereitet eine bessere Verdauung vor; das Hungergefühl legt sich sofort, wenn wir 1 Glas heißes Wasser mit dem Saft einer halben Zitrone schlürfen.

Schon in der Viehzucht ist es eine allgemein bekannte und anerkannte Tatsache, daß die Vielfresser unter den Tieren grobes Fleisch und krankhaft entartetes Zellgewebe haben, und wenn man die Schlemmer unter den Menschen betrachtet, findet man dasselbe. Erliege also nicht den Versuchungen des Appetites und mache dich nicht zum Sklaven von Suggestionen, die von überreizten Magennerven hervorgerufen werden, sondern lasse die "Macht von oben", die Vernunft, deine Eßgewohnheiten kontrollieren oder zügeln.