Obst und Beeren

Vollreifes Obst und vollreife Beeren enthalten aufgespeicherten Sonnenschein und sind deshalb in diesem Monat besonders heilsam. Aber wegen des Säuregehaltes sollte man den Obst- und Beerengenuß nicht übertreiben. Im allgemeinen wähle man zu den Obstmahlzeiten abwechselnd verschiedene Früchte; aber zu einer Beerenkur hält man sich für 2 Wochen an eine Sorte und pflückt sie sich selbst zum sofortigen Genuß, bis man genug davon hat. Um einer Versäuerung vorzubeugen, nimmt man vor einer Obstmahlzeit 1 Glas heißes destilliertes Wasser mit 1 Teelöffel doppeltkohlensaurem Natron und 1 Stunde nach der Mahlzeit 1 Teelöffel Weinsteinpulver in 1 Glas kochend heißem Wasser, das man nach und nach schluckweise trinkt; zur Mahlzeit selbst sollte man immer etwas Körnerfrüchte, 1 Eßlöffel Hafer- oder Weizenflocken, etwas salzgetriebenes Brot, heiße Brötchen, Waffeln oder Teiggötter, etwas frische Sahne und auch ein anregendes Gewürz nehmen, wie Zimt, Curry, Ingwer, Muskatblüte, Muskatnuß, Anis, Nelke oder Vanille.

Von Gewürzen nehme man immer nur sehr wenig. Selbst für die Gewissenhaftesten besteht immer noch die Gefahr, daß sie mit Anregungsmitteln des Guten zuviel tun. Das gilt auch für Kaffee und Tee. Wir eignen uns nur zu gern die Vorstellung an, als seien die Anregungsmittel zugleich auch Stärkungsmittel und übersehen dann nur zu oft die schädigende Wirkung des Übermaßes. Nimmt man nicht mehr Gewürz, als daß ein Gericht nur gerade entfernt danach schmeckt, und trinkt man Tee und Kaffee zwar sehr heiß, aber nur ganz schwach, wird man in jeder Hinsicht besser fahren.

Äpfel, roh gerieben oder gedünstet, wirken gut auf den Darm oder geben als Obstklöße mit Sahnentunke ein leichtes Abendmahl. Dünstet man saure Apfel mit Pflaumen und Pfirsichen, so beseitigen sie Drüsenstörungen; man nimmt sie zwar häufig, aber immer nur wenig auf einmal.

Apfelsinen und Pampelmusen sind zwar nicht mehr an der Zeit, aber der Saft von Apfelsinen und 1 Zitrone bewährt sich immer noch als gutes Ausscheidungsmittel. Spanische Apfelsinen sind am Markte; sind sie zu sauer, dann mischt man den Saft mit reichlich Milch, 1 rohes Ei und etwas Toast dazu ergibt eine leichte Mahlzeit.

Aprikosen und Pfirsiche sind an der Zeit und geben mit heißen Brötchen oder Waffeln und etwas Sahne oder "im Schlafrock" gedünstet mit etwas Sahne sättigende und bekömmliche Mahlzeiten, wenn man nicht zuviel davon auf einmal ißt. Rohe Pfirsiche, in Scheiben geschnitten, sind mit Waffeln, Zwieback und etwas Sahne ein gutes Heilmittel gegen eine geschwollene Leber. Die Kerne von Aprikosen, Pfirsichen und Pflaumen schlage man auf und kaue 10 Tage lang nach jeder Mahlzeit 6 bis 10 Kerne mit dem mandelartigen Inhalt; er ist besonders heilsam gegen Blutarmut.

Avokado oder Alligatorbirnen sind eine Steinfrucht, sehr fettreich und daher sparsam zu verwenden. Man kann sie wie Butter auf geröstetes Brot streichen oder zerdrücken, zu einer Salattunke verarbeiten und sie über den Salat gießen, der dann mit Toast eine vollständige Mahlzeit gibt.

Bananen schält man, zerdrückt sie mit einer Gabel, mischt frisch ausgepreßten Beerensaft daran und würzt leicht mit Curry, Zimt, Nelke oder Vanille, das gibt ein köstliches Mahl, bei dem man Brot entbehren kann. Will man die Bananen aus der Schale essen, wie sie sind, so macht man sie mit einigen Körnchen Salz bekömmlicher.

Von den Beeren kommen Johannis-, Stachel- und Himbeeren mehr dem weiblichen Geschlechte zu und Brombeeren und Heidelbeeren mehr dem männlichen Geschlechte. Reife Stachelbeeren bestärken die Leber; man ißt sie für sich allein und trinkt auch keine Buttermilch dazu; ißt man sie roh, gedämpft oder als Saft eine Zeitlang zusammen mit Kleienbrot, dann verlieren sich Rheumatismus, Gicht und Zuckerkrankheit. Heidelbeeren sind heilsam gegen Blutkrankheiten aller Art; sogar die Geschlechtskranken sollten sich den Beweis liefern.

Von den Birnen sind nur die mit feinem Aroma wertvoll und auch von diesen nimmt man besser nur wenig. Zu Heilzwecken bäckt oder dünstet man sie. Der Saft aus vollreifen, gefrosteten Birnen wirkt stärkend auf schwächliche Personen.

Zuviel Weintrauben verursachen wegen des Zuckergehaltes Beulen; deshalb nimmt man immer nur wenig auf einmal. Noch besser ist es, man preßt den Saft aus und verdünnt ihn mit destilliertem Wasser; so ist er außerdem, ob heiß oder kalt genommen, ein ausgezeichnetes Mittel gegen Fieber. Weiße Trauben sind heilsam gegen Rheumatismus; in allen anderen Fällen nimmt man besser blaue Trauben. Will man mit Trauben rasch eine gute Wirkung erzielen, so nimmt man sie für sich allein, also nicht mit anderem Obst zusammen; aber man darf nach Trauben persische Melone essen. Gegen Erschöpfungszustände und Nervenleiden erhitzt man den Saft von Trauben, die man zunächst durchfrieren lassen hatte, auf 30 bis 40 Grad C. und nimmt davon je auf einmal 1 Weinglas voll, läßt während der mehrere Tage dauernden Kur alles andere Obst und auch Gemüse beiseite und nimmt neben dem Traubensaft nur gut dextrinierte Körnerspeisen und Teigwaren.

Zwetschgen erzeugen zwar leicht Säuren, so daß man vorsichtig damit sein muß. Wenn man die Haut abzieht oder wenn man sie dünstet oder in Pfannkuchenteig taucht und bäckt, ist die Gefahr weniger groß. Gibt man etwas Sahne hinzu, so fördern sie die Darmtätigkeit. Gedünstete Zwetschgen mit Nudeln, zweimal in der Woche genommen, heben Verstopfung auf.

Zitronen können täglich gebraucht werden und sollten den Essig ganz verdrängen. Hast du Verlangen nach etwas Saurem oder Gesalzenem, dann gib an den Saft einer Zitrone ein Salzlöffelchen Salz, schlage das gründlich und nimm es auf einmal oder teelöffelchenweise.