Vorwort

Die „Gesundheits-Winke“ sind aus dem „Leitfaden für Gesunde und Kranke“ hervorgegangen, der früher in Verbindung mit der Mazdaznan-Ernährungslehre erschienen ist und erst in der 48. bis 52. Auflage 1927 als ein besonderes Werk gedruckt wurde.

In den folgenden Jahren hat Meister Dr. O. Z. A. Hanish besonders in seinen in Deutschland gehaltenen Vorträgen und Ansprachen noch viele wertvolle Winke gegeben, die in diese 53. Auflage aufgenommen worden sind, so daß sie ein wesentlich erweitertes Werk darstellt, das auch für alle die von großem Wert und Nutzen sein wird, die eine frühere Ausgabe der Gesundheits-Winke kennen oder besitzen.

In den letzten Jahrzehnten ist der große Wert vieler Gesundheitswinke erkannt und dadurch anerkannt worden, daß die Heilberufe sie anwenden und große Erfolge damit erzielen. Da sich die Erkenntnis der Wahrheit immer mehr ausbreitet, wird der Segen immer offenkundiger werden, der der nach Gesundheit und Glück suchenden Menschheit dadurch zuteil wird.

Der Hauptzweck des Werkes ist es aber, jedem einzelnen das Selbstvertrauen zu der in ihm wohnenden Allmacht wiederzugeben und ihm den kürzesten Weg zu weisen und die einfachsten Mittel an die Hand zu geben, seine Gesundheit wieder zu erlangen oder zu verbessern.

Deshalb ist auch die schlichte und leicht verständliche Ausdrucksweise beibehalten worden, die sogleich das Gefühl des Erfolges weckt und all den von schöpferischem Geiste durchwehten Darlegungen des Meisters eigen ist, dem also die Ehre und der Dank für dieses Werk gebühren.

 

Leipzig, am 8. April 1956.                                             Dr. Otto Rauth


Zum Geleit

Die Gesundheit wird uns nicht, solange wir sie von außen suchen. Sie ist ein innerer Zustand, für dessen äußere Verwirklichung wir uns zuerst in uns selbst des Gedankens bewußt sein müssen, der Gesundheit schaffen kann.

Wenn man aber sagt: „Wie kann ich mir schaffen, was mir fehlt? Ich bin doch schwach und voller Schmerzen und Leiden aller Art! Wie können mir in einem solchen Zustand alle die Mittel zur Verfügung sein, die zur Gesundheit führen:“ und solange man so denkt, verwirft man sich selbst und versperrt sich den Weg zu den einfachen Hilfsmitteln, die die Natur jedem darbietet.

Wir brauchen nur mit offenen Augen Umschau zu halten, dann sehen wir überall die Offenbarungen des Gesundheitsgedankens offen vor uns ausgeprägt. Schon das Tierreich drückt in jeder seiner Erscheinungen Kraft, Stärke und Gesundheit aus. Wenn ich die Kraft des Elefanten und des Nilpferdes sehe, oder die Gewandtheit und Geschmeidigkeit des Löwen und des Tigers, dann kann ich doch nicht dahertappen wie ein alt gewordener Bär, ich, der ich das Endergebnis aller Schöpfung und Entwicklung, ja, sogar nach Gottes Ebenbilde und ihm gleich geschaffen bin!

Das sagt schon das 1. Kapitel der Genesis und die Entwicklungswissenschaft gibt es zu, daß uns im Elementar-, Mineral-, Pflanzen- und Tierreich alles wie auf einer Stufenleiter vorangegangen ist, damit wir als Menschen nicht nur die Gesundheit, sondern sogar die Vollkommenheit darstellen. Da können wir doch nicht weniger sein! Vielmehr muß uns wenigstens der Gesundheitsgrad oder Zustand angeboren sein, den schon das Tierreich darstellt. Wir müssen die Gesundheit nur aus uns herausholen.

Sobald ich im Bereiche der Naturgesetze bleibe, bahne ich mir in voller Gesundheit den Weg durch das Leben sogar zur Glückseligkeit. Aber ich muß aufmerken, daß es mir nicht geht wie jenem, zu dem der Heiland sagte: „Wie kann ein Blinder dem andern Blinden den Weg weisen! Werden nicht beide in die Grube fallen?“ Wir sind leidend, unglücklich, krank und erzählen es dem andern, der in ähnlicher Lage ist. Aber zwei Unglückszustände machen keine Glückseligkeit, zwei Krankheitszustände keine Gesundheit, zwei Arme keinen Reichtum. Ich muß mir zuerst selbst bewußt sein, daß die Gesundheit, das Angenehme, das Gute, das Vollkommene in meinem Bereiche, in mir selbst vorhanden ist und daß ich mich nur auf den Weg dorthin zu begeben habe.

Genau so, wie ich mich diesem Gedanken anpasse, mich ihm ergebe, ohne links und rechts oder gar rückwärts zu schauen, wird mir der Weg. Denke ich ihn mir schwierig, dann wird er schwierig. Mache ich mich aber Schritt für Schritt mit allen Einzelheiten vertraut, dann ist nichts Schwieriges und nichts dabei, was meine Kräfte übersteigt oder meinen Schritten ein unüberwindliches Hindernis sein könnte, wenn es auch von der Ferne so schien.

Sobald wir die Größe unseres Wesens erkennen, sind wir frei, zu handeln, treffen dann auch die richtige Wahl und Erfolg begleitet uns auf unserem Lebenswege.

Wenn dann ein jeder seine Talente, Fähigkeiten und Anlagen erkennt, anerkennt und verwertet oder verwirklicht, also fähig ist, all seinen inneren Reichtum vernünftig und nützlich zu verwalten und zu verwerten, dann erst dürfen wir uns zusammenscharen und kooperieren oder gemeinschaftlich miteinander für ein größeres Ziel wirken.

Wenn aber nur der eine eine vollkommene Arbeitskraft und der andere ein wandelndes Lazarett ist, so ergibt das keine erfolgreiche Arbeitsgemeinschaft. Aber die menschliche Gesellschaft bedarf der verantwortlichen Mitarbeit eines jeden Mitgliedes, wenn sie ihrer Berufung, den ewigen Entwicklungsplan zu fördern, gerecht werden will.

Möge der Gesundheitsgedanke immer mehr in uns erwachen, auf daß uns schließlich die Vollkommenheit die völlige Freiheit in diesem Leben gebe! Sei dem so!

Dr. Otoman  Zar-Adusht Hanish

  Vollkommenheit den Weg bereit',
der mir verleiht die Ewigkeit.


1. Kapitel

Gesundheit

Gesundheit ist die Grundlage, auf der der Mensch gedeiht. Ermangelt er der Gesundheit, so begegnet er vielen Schwierigkeiten im täglichen Leben. Will er gar glücklich sein, dann begreift er bald, daß ihm das ohne Gesundheit nicht gelingt. Sicherlich trachten auch die meisten Menschen nach Gesundheit und ein kleiner Teil sogar nach Glück; aber meist verfehlen sie das Ziel.

Jedoch müssen wir wenigstens einen Versuch machen, gesund zu werden und glücklich zu sein. Die Hauptsache dabei ist, daß wir den richtigen Ausgangspunkt gewinnen, indem wir von uns selbst ausgehen. Dann bringt uns alles Versuchen und Untersuchen immer größere Selbsterkenntnis und schließlich erkennen wir, daß die letzte Ursache von Krankheit und Unglück ein Irrtum im Denken ist.

Wenn ich nicht zu dieser Einsicht komme, so können mich meine Versuche, gesund und glücklich zu werden, wohl auch zufällig auf den rechten Weg bringen, und ich kann dabei wohlauf sein. Aber ganz unversehens taucht ein neues Leiden auf oder das alte Leiden kehrt erneut und schlimmer zurück, so daß der Zustand einer Drehschaukel gleicht, auf der man bald oben, bald unten ist, aber auf keinen grünen Zweig kommt.

Vielleicht war es für uns bisher noch nicht an der Zeit, uns dauernd guter Gesundheit zu erfreuen; sonst hätten wir doch gleich wieder auf dem hohen Pferd gesessen. Vielleicht war es für uns notwendig, uns all den widrigen Umständen gegenüber zu sehen, um aus den Erfahrungen zu lernen. Denn noch immer war es Krankheit oder Unglück oder die „Not“, die den Menschen beten lehrte oder bewog, besonnener und bedachtsamer zu sein oder seine geistigen Fähigkeiten zu gebrauchen, um aus seinen Erfahrungen und Beobachtungen größeren Nutzen zu ziehen.

Gesund zu sein, ist aber für den Menschen nicht etwa eine Großtat oder eine besondere Errungenschaft, sondern nur der Beweis, daß sich sein Körperwesen in natürlicher Verfassung befindet. Denn schon das Tier ist gesund und der Mensch stellt eine höhere Stufe dar, die sich auf der vorhergehenden aufbaut. Wir müssen also die Gesundheit besitzen, wenn wir Fortschritte machen wollen, und zugeben, daß es Menschenpflicht ist, gesund zu sein.

Aber die meisten Menschen untergraben ihre Gesundheit durch ihre unnatürliche Lebensweise. Andere wieder haben gleich zu Beginn ihres Lebens einen schlechten Anfang gehabt und eine schwache Gesundheit mitbekommen. Aber ob so oder anders, für niemand besteht ein Zwang, krank zu sein oder zu bleiben, weil Gesundheit das Geburtsrecht des Menschen und Glückseligkeit seine Berufung ist. Niemand zwingt uns, zeitlebens eine Last mit uns herumzuschleppen, gleichviel ob wir sie uns selbst auferlegten oder ob sie uns von andern aufgebürdet worden ist. Denn der Mensch hat die Macht des freien Willens und der freien Wahl.

Es ist wahr, in manchen Fällen ist die Wahl nicht leicht und der Entschluß schwer und häufig sind Opfer notwendig, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Aber es ist gesünder, in Frieden ein Stück trockenes Brot zu essen, als sich an reichbesetzter Tafel Höllenqualen anzuessen. Alle Leiden kommen uns dadurch, daß wir uns entweder äußeren Einflüssen überlassen oder die Naturgesetze nicht kennen und daher nicht beachten.

Aber in beiden Fällen haben wir die freie Wahl, uns zu entschließen und zu entscheiden. Sind Unkenntnis und Unwissenheit die Ursache, so brauchen wir nur unser Wissen zu erweitern und die Gesetze im offenen Buche der Natur zu studieren, um den Leidenszustand zu beheben. Sind äußere Einflüsse die Ursache, so haben wir die Macht, uns solchen Peitschenhieben zu entziehen. Wir brauchen nur unsere Gedankenrichtung zu ändern und unsere Gedankenwellen in fortschrittliche Bahnen zu lenken.

Gesund werden und bleiben erfordert also keinen großen Kraft- oder Kapitalaufwand, sondern nur gesunden Menschenverstand und guten Willen, dem Körper durch Atmung, Ernährung und Pflege soviel Aufmerksamkeit zu schenken, daß die Organe ungestört arbeiten und die Intelligenzen die Leitung behalten können. Dann bleiben wir nicht nur bei Kräften, sondern sammeln beständig Goldkörner der Weisheit und Perlen der Wahrheit und das Leben wird schöner und die Welt besser von Tag zu Tag, weil wir darin leben, da wir dem Zeitalter einen neuen fortschrittlichen, höheren Gedanken aufprägen.

Daher begannen auch alle Religions- und Philosophie-Systeme der Alten mit Anweisungen für die Gesundheit des Körpers oder die „Erlösung von Übeln“ oder von dem „Fluch, den sich der Mensch anzog wie sein Hemd“, wie die biblische Ausdrucksweise ist. Sie wiesen die Menschen darauf hin, daß sie ihr Sinnen und Trachten auf Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse richten müßten, anstatt zu jammern und zu klagen, und belehrten sie zugleich, wie sie ihr Denkenswesen zur Verwirklichung dieses Zieles zu erziehen haben.

Zarathustra legte großes Gewicht auf gutes Denken, gutes Reden und gutes Handeln und damit niemand im Zweifel über die Voraussetzungen hierzu sei, erklärte er die Gesetze der Heilung, Heiligung oder Reinigung des Körpers genau, wobei er sogar die täglichen Anstandsregeln hervorhob, die aus Rücksicht auf die Individualität jedes Menschen beobachtet werden müssen. Zarathustra hat es den Menschen klar zu machen versucht, daß Gesundheit und richtiges Denken die Grundpfeiler für einen und alle sind, worauf sich die Erlösung der Menschheit und der Erde aufbaut, und daß der Mensch auf Erden hieran mitzuarbeiten hat, damit die noch gebundenen Kräfte der Erde für höhere Zwecke frei werden zum größeren Ruhme des Herrn Gott Mazda.

Moses sah sich bei seinen Bemühungen, dem Volke Israel die rechte Lebensweise zu lehren, veranlaßt, eine Reinigungs-Ordnung aufzustellen, weil der Mensch allein durch einen reinen Körper die „Heiligkeit vor dem Herrn“ beweisen könne oder bereit und fähig sei, höhere Eigenschaften zur Ehre Jehovas zu offenbaren.

Jesus lehrte die Massen in schlichten Unterweisungen, was dem Menschen zur Gesundheits- und Körperpflege not tue, um erlöst zu werden, ließ sich aber nie auf dogmatische oder theologische Spitzfindigkeiten ein, weil er wußte, daß der Mensch die inneren und höheren Zusammenhänge des Lebens erst dann begreifen kann, wenn sein Körper frei von „Übeln“ aller Art ist. Dann erst ist das Herz in friedvoller Verfassung und das Denken so gelassen, daß es sich der Leitung des Gottgedankens im Herzen ergibt.

Die vier Evangelien beweisen zur Genüge, daß es im Bereiche seiner Botschaft lag, die körperliche Wohlfahrt des Menschen zu fördern. Sogar die Armen und Ärmsten sollten sich vermittels seiner Botschaft eines besseren Loses erfreuen können. Danach braucht niemand krank und arm zu sein; denn „die Erde ist des Herrn samt allem, was sie erfüllt“, und sie erzeugte schon damals wie auch heute noch viel mehr, als nötig ist, damit alle Menschen gesund und im Wohlstand leben können.

Jesus sagte ganz bewußt und eindeutig: „Wenn deine Füße rein sind, ist der ganze Körper rein“. Denn wer die Füße pflegt, hält von selbst auch seine Hände rein, tatsächlich und bildlich, und leistet reine, nützliche Arbeit. Er lehrte also die einfachste Heilweise, die das Übel an der Wurzel faßt und jeden instand setzt, sich selbst rein, heil oder heilig zu machen. Als sich ihm die Jünger Johannes des Täufers anschlossen und sich nach den Zielen seiner Botschaft erkundigten, erklärte er ihnen: „Die Lahmen gehend und die Blinden sehend zu machen und den Armen die Botschaft des Heils zu verkünden“.

Mazdaznan wendet sich nun in der Gegenwart wiederum an alle die, die auf dem Wege der Erkenntnis sind, und zwar ohne Rücksicht auf Klasse, Stand oder Bekenntnis. Denn Mazdaznan ist sich des Klassenwesens völlig unbewußt und sucht sich einfach überall Bahn zu brechen, auf daß jeder einzelne individuell auf den rechten Weg gewiesen werde, sofern er den Drang in sich hat, sein Leben selbständig und selbstbewußt zu führen, sich bessere Verhältnisse zu schaffen und Größeres zu leisten.

Um das zu erreichen, befaßt sich Mazdaznan mit allen Zweigen des Lebens und der Wissenschaft, und zwar nicht nur bis zu einem gewissen Grade, sondern in allen Einzelheiten und bis in die Unendlichkeit. So erschließt Mazdaznan auch die Heilmittelkunst, wie es schon Zarathustra in seinem Patet ausgedrückt hat:

„O Herr, wie wunderbar sind deine Wege, daß du für alle die Pflanzen wachsen ließest, die in sich die Kräfte enthalten, die uns die Gesundheit vermitteln! An alle Krankheitsfälle hast du im voraus gedacht und deinen Heilsgedanken in die Pflanzen gesenkt, so daß für jede Krankheit, und wären es gleich zehntausend, auch zehntausend Heilkräuter zur Verfügung stehen, um die Krankheit für alle Ewigkeit in das Meer der Vergessenheit zu versenken und die Gesundheit in Schönheit und Jugendfrische erstrahlen zu machen“.

Also schon vor Tausenden von Jahren ist das Krankheitswesen aufs gründlichste erforscht worden. Nachdem Zarathustra schließlich diesen zehntausend Krankheiten zehntausend Heilkräuter entgegengesetzt hatte, zog er alle Einzelheiten zusammen und kam zu dem Ergebnis, daß dem Menschen die Gesundheit verbleibt, insoweit sein Denkenswesen erweckt ist und er sich von seiner Individualität im Herzen leiten läßt, und daß dies erreichbar ist durch Gebets- oder rhythmische Atemübungen, die den Körper entlasten und in ausgeglichene Schwingungen oder in Harmonie versetzen, wenn dabei der Einatmung, der Atemstauung, der Ausatmung und der Atementhaltung genügende Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Das ist also das Ergebnis der Erforschung der zehntausend Krankheitserscheinungen, daß der Atem die Grundlage der Gesundheit ist. Dann müssen wir uns doch schließlich fragen: Ist es wirklich nötig, daß wir durch alle möglichen Erfahrungen und alle diese Anweisungen für zehntausend Krankheiten hindurchgehen?“

Ja, solange wir noch nicht zu der Erkenntnis gekommen sind, daß „Gott-in-mir“ ist und daß wir auf die materielle, spirituelle und intellektuelle Seite unseres Körperwesens achten müssen, sondern immer noch das Scheinbare, Phänomenale, Oberflächliche als ausschlaggebend anerkennen, solange müssen wir uns in die dafür gültige Ordnung fügen und alle notwendigen Einzelheiten befolgen oder sie sogar von anderen besorgen lassen. In diesem Zustand befinden sich immer noch die allermeisten Menschen.

Aber wir müssen diesen langen und beschwerlichen Weg nicht gehen; es gibt auch einen kürzeren. Die Wahl bleibt jedem freigestellt. Mazdaznan fragt nur: „Welchen Weg willst du einschlagen?“ Willst du mit Selbstvertrauen die Arbeit an dir aufnehmen und deine Gesundheit pflegen oder willst du, daß andere dich mit Mitteln und Verschreibungen an der Oberfläche oder an den Symptomen behandeln? Wer nur für Verschreibungen reif ist, dem bleibt nur der längere Weg offen.

Sobald jedoch unser Interesse am Leben und an der Ewigkeit erwacht und wir anfangen, uns Gedanken über unser eigenes Wesen, unsere Talente, Gaben und Fähigkeiten zu machen, und zur Selbsterkenntnis kommen, begreifen wir, daß wir die praktische Arbeit an uns aufnehmen müssen, und befolgen dann die einfachen Atemübungen, die uns Mazdaznan an die Hand gibt. Je eifriger und bedachtsamer wir dabei sind, um so rascher zeigt sich der Erfolg.

Um uns von dem großen Segen der Atemübungen zu überzeugen, genügt es schon, daß wir 10 Tage lang täglich fünfmal folgende Übung machen:

l. Leere die Lungen bis aufs äußerste, ohne dich zu spannen.
2. Für 25 bis 30 Sekunden halte jede Atembewegung an, enthalte dich also des Atems.
3. Atme tief ein, staue den Atem kurz und atme wieder aus bis aufs äußerste, fahre so fort für 3 Minuten und folge dabei dem Atemstrome in Gedanken.

Die Winke, die in den folgenden Kapiteln gegeben werden, wenden sich an die unzählig vielen, die nach Gesundheit trachten, sich aber noch nicht auf den einfachen und kurzen Weg, der zum Ziele führt, gefunden haben, aber doch durch die einfache Atemübung, die soeben beschrieben worden ist, begreifen, daß sie sich eine bessere Atmung angewöhnen müssen, wenn sie mit den Winken raschen und dauernden Erfolg zu erzielen wünschen. Sie wenden sich dann allmählich von selbst dem Studium der Mazdaznan-Atemkunde zu, so daß sich ihr Denkenswesen erweitert und sie sich auch bei Verfolgung der Winke vor Übertreibung und Mißverständnissen bewahren, weil die Verbesserung des Atems die feineren Sinne weckt.

Die Winke sollen nur Anhaltspunkte sein, die den denkenden Sucher an seinem Wege wie Meilensteine begleiten. In manchen Fällen kann sich der Gesundheitszustand soweit zurückgezogen haben, daß der Willen zum selbständigen Handeln zu schwach ist und die Kräfte dazu nicht ausreichen; dann muß man sich hilfreichen Händen überlassen, die das Notwendige tun, und wenn nötig auch einen Arzt zuziehen. Welche Anordnungen der Arzt auch geben mag, so werden die gegebenen Winke seine Bemühungen, die Gesundheit wieder herzustellen, in jedem Falle erfolgreich unterstützen.

Wo Gesetze gegenüber gewissen Krankheitserscheinungen ärztliche Maßnahmen vorschreiben, geschieht es in der Absicht, größerem Unheil zu steuern, ist also gut; ausschlaggebend ist natürlich der Erfolg. Das beste ist jedenfalls, seine Gesundheit so zu behüten, daß man überhaupt keine, am allerwenigsten aber solche Krankheitserscheinungen offenbart, die einer staatlichen Zwangsbehandlung unterliegen.

Wer das Studium der Mazdaznan-Atemkunde aufnimmt, seine Ernährungsweise nach der Mazdaznan-Ernährungskunde durchführt und nach der Mazdaznan-Wiedergeburtskunde gewissenhaft Körperpflege betreibt, findet die Winke nicht nur selbstverständlich, sondern ergänzt sie auch leicht für seinen besonderen Fall. Denn die Prinzipien der Ewigkeit und die Gesetze der Natur bleiben im Grunde immer dieselben; nur in der Auswirkung und Anwendung ergeben sich je nach Zeit und Umständen Unterschiede.

  

Durch Träumen wird die Last nicht leicht.
Zag' nicht, greif' zu! So siegst du!


4. Vorbeugung

Wir sollten so leben, daß uns überhaupt keine Krankheit werden kann. Dann lösen wir das Lebensrätsel für den Alltag. Wenn wir unserm eigenen Gedanken freien Lauf lassen, anstatt beständig Einflüssen von außen nachzugeben, gelingt uns das auch, weil wir von selbst darauf kommen, mit welchen einfachen Vorbeugungsmitteln oder Vorbeugungsmaßnahmen sich das Ziel erreichen läßt. Auf dem Gebiete der Gesundheit liegt die Kunst nicht im Heilen, sondern im Vorbeugen. Wir sollten allem vorbeugen lernen und das beginnt mit den kleinen Dingen des Alltags.

Ist es zu kalt, dann heizen wir, um die Pairikas, wie die hl. Ainyahita sagt, zu vertreiben. Wenn es kalt und feucht ist, entwickeln sich leicht Fremdorganismen im Körper, die sogleich ihr Unwesen treiben. Ein wenig Feuer und Wärme verhütet das.

Ist es zu warm, macht man ein wenig Durch- und Gegenzug, stellt, wenn nötig, noch einen elektrischen Fächer auf, der die Luft verteilt, und siehe, man fühlt sich sogleich wohler.

Wenn wir völlig gesund bleiben wollen, sollten wir danach trachten, in einer gleichmäßigen Temperatur zwischen 20°C und 26°C oder 67°F und 76°F zu leben. In einer solchen Atmosphäre kann sich kein Krankheitsbazillus entwickeln; wir sind immer beweglich und alles vollzieht sich nach unsern Wünschen. Es mag heute noch schwierig sein, das zu verwirklichen. Aber es wird nicht mehr lange dauern, dann stellt sich der Erfinder- und Entdecker-Geist in den Dienst der Vorbeugung, so daß sich jeder vermittels der freien Energie jeden beliebigen Wärmegrad irgendwo herstellen kann. Das wird uns dann so selbstverständlich sein wie heute der Gebrauch des Telefons.

Ist zuviel Staub im Zimmer, dann nimmt man ihn mit einem kalten, feuchten Tuch auf, wirbelt ihn aber nicht mit einem Federwisch auf. Reine staubfreie Luft riecht angenehm und man empfindet sie sogleich angenehm.

Enthält das Wasser in meiner Gegend zu viel Kalk, dann kocht man es ab, läßt es erkalten und seiht es noch durch 2 oder 3 Tücher. Dann kann man es für Trink- oder Kochzwecke unbedenklich verwenden.

Versteht man die varietarische Mazdaznan-Kochkunst noch nicht richtig, dann hält man sich soviel wie möglich an Rohkost und trinkt etwas Warmes dazu. Allmählich lernt man die richtige Zubereitung und Zusammenstellung von Gerichten.

Die Speisen sollen uns Vitamine oder Potenzen vermitteln. Vitamine sind aber nicht im Brot, im Spinat, in den Kartoffeln, sondern entstehen erst im Körper, wenn die Speisen naturgemäß zubereitet und zusammengestellt waren, so daß sie einander entsprechenden Substanzen ausgleichende Verbindungen eingehen konnten. Daraus entwickeln sich dann Vitamine, Potenzen oder Lebenskräfte. Fehlt es an verwandtschaftlichen Beziehungen der Speisen, dann sind wir .selbst nach einer reichen Mahlzeit unbefriedigt, weil die Speisen zu Ballast werden und Beschwerden verursachen. Halten wir uns an die Regeln der Mazdaznan-Ernährungskunde, beugen wir dem vor und schaffen allmählich immer bessere Verhältnisse im Körper, so daß wir leistungsfähiger auf allen Gebieten werden.

Manche Leute räuspern sich beständig und ihre Umgebung hält das für eine schlechte Angewohnheit. Die Ursache ist aber ein grau anlaufender Bazillus, der sich in der Kehle entwickelt hat und, wenn man nicht vorbeugt, zu Krebs ausartet. Dagegen schnupft man Borax in die Nase hoch schon beim Erwachen als erstes und des Abends als letztes. Außerdem betupft man mehrmals am Tage den Gaumen mit Borax, indem man den angefeuchteten Daumen in Borax drückt und dann gegen den Gaumen setzt. Dann schließt man den Mund, damit sich alles auflöst, was nach 5 Minuten geschehen ist, und entleert den Mund. Während der 5 Minuten geht der Borax die Drüsen entlang und etwas davon ergießt sich in die Kehle und vertreibt den Bazillus. Wer aber nicht vorbeugt und noch dazu raucht, also den Bazillus mit Tabak anspornt, legt den Grund für Krebs, der dann gewöhnlich mit dem 33. Lebensjahre entsteht.

Auch Abwechslung ist ein Vorbeugungsmittel. Nach Geschäftsschluß sollte man sich alles Geschäftliche aus dem Kopfe schlagen und etwas anderes tun. Man kann tagsüber einem sehr nüchternen Berufe nachgehen und abends Theater spielen; am nächsten Morgen ist man wieder ganz bei seiner Arbeit. Wer den ganzen Tag von seinem Studium in Anspruch genommen war, sollte nicht noch bis in die Nacht weiterstudieren. Deshalb schicken wir junge Leute des Abends in die Tanzschule, damit sie eine Abwechslung zu ihren Tagesstudien haben. Wir selbst geben nichts um Tanz und machen uns einfach mit unseren Übungen Abwechslung.

Die Natur gibt uns mit ihren Monaten und Jahreszeiten ein anschauliches Beispiel für den Wert und die Bedeutung der Abwechslung. Wenn wir uns diesem Rhythmus einfügen, gehen wir aus jedem Monat, jeder Jahreszeit und jedem Jahre gesünder und kräftiger hervor. Jeder Kranke kann sich jederzeit in diesen Rhythmus einfügen, dadurch Schlimmerem vorbeugen und sich schließlich wieder gesund machen. Der Frühling ist die Zeit der Reinigungs- und Fastenkuren. Im Sommer läuft man barfuß im Staube, um der Gicht und Wassersucht vorzubeugen und wälzt sich im heißen Sand und im Lehm, um Hals- und Lungenkrankheiten loszuwerden, im Herbst bieten sich die ausscheidenden Obstfrüchte an und im Winter können wir die nötigen Ausgleichungen mit einfachen Mitteln schaffen. Die wirksamsten Vorbeugungspotenzen, die uns die Natur dazu anbietet, sind der Zimt, dann die Nelke, dann der Mohn. Zimttee sollten wir sogar jeden Monat wenigstens ein- oder zweimal trinken, um allen Unannehmlichkeiten vorzubeugen.

Alle Vorbeugungsmittel sind zugleich Ausscheidungsmittel, räumen also zugleich schon vorhandene oder im Entstehen begriffene Krankheiten aus. Nur muß man sie hierfür so lange anwenden, bis sich alles Krankhafte verloren hat. Man muß dann beharrlich sein und die einfachen Mittel täglich anwenden. Manchmal merkt man nach Wochen und Monaten noch keine Besserung, bis schließlich eines Tages alles in einem Augenblick geschehen zu sein scheint. So muß man z.B. gegen alle Geschwülste dasselbe Mittel immer wieder gebrauchen, bis es anschlägt.

Schon um unserer Gesundheit willen sollten wir die Lebenswissenschaft sozusagen in den Fingerspitzen haben und die Wissenschaft der Unendlichkeit hinzusetzen, damit wir in jeder Beziehung wissen, wie wir allem vorbeugen können.


 

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