5. Heilwirkung des Atems

Der beiden einfachen Atemübungen bedürfen wir zu unserer systematischen Entwicklung, weil die Ausatmungsübung die materielle Seite des Körpers entlastet und die Einatmungsübung uns geistig freier macht. Fürs erste lernen wir das Ausatmen und werden uns dabei des Einziehens des Unterleibes bewußt, bis uns das Gefühl des Wellenschlagens gewahr wird. Bei der zweiten Übung achtet man auf die Einatmung und zieht auch beim Einatmen den Unterleib empor, auf daß uns die Schwingungen werden, die sich allmählich bis auf das Gehirn verlegen.
Obwohl uns diese zwei Übungen nicht in einer besonderen Richtung entwickeln, so nützen sie dem Organismus insoweit, als man sich dadurch verschiedener organischer Krankheiten entledigen kann oder gewisser ungünstiger Einflüsse des Wet-ters, Staubes und dergleichen, was zum Husten reizt. Kommt einem ein Hustenreiz, so muß man ausatmen und immer wieder ausatmen, immer länger ausatmen. Gleich fühlt man sich wieder besser.
Hat man sich erkältet, dann immer wieder ausatmen und in einigen Minuten ist man den Trubel los. Ist es einem schon auf die Lunge gefallen, dann muß man das Ausatmen einige Minuten lang üben und gleich im Anschluß rasch einige Schlücke sehr heiße Milch trinken. So man aufhustet oder man fühlt ein Brennen, gleich wieder ausatmen für einige Minuten und wieder rasch einige kleine Schlucke sehr heiße Milch. Innerhalb einer halben Stunde ist alles geheilt und die Gefahr vorüber. Man muß es nur systematisch machen. Der Arzt muß dabei sein, damit der Kranke es auch wirklich macht und er sich des Erfolges sicher ist.
Soweit es dann nicht den Körper, sondern das Geistige anbetrifft, also immer wenn man Klasse oder Schule halten oder irgendein Studium durchmachen will, so muß ein jeder erst durch die Einatmungsübung gehen, wobei man das Anhalten nach der Einatmung immer mehr verlängert, sodaß man förmlich froh ist, wieder ausatmen zu können, und dabei wie von selbst sagt: "Gottseidank!"
So man das nur drei Minuten hinter einander systematisch macht, dann wird sich selbst der größte Zweifler unter uns bewußt, daß ein Unterschied zu verzeichnen ist: alle Ideen sind verflogen, man denkt freier und ist bereit, irgendein Studium aufzunehmen, weil man konzentrierter geworden, also aufmerksam ist auf alles, was vor einen tritt oder einem vorgesetzt wird.
Nach 20 Minuten Belehrung erkennt man, was für eine große Bedeutung diese Einatmungsübung hat.
Macht man sie alle Stunden für 3 Minuten, oder wenn etwas Neues aufs Tapet kommt, oder wenn Müdigkeit eintritt, und staut den Atem mindestens 10 Sekunden, dann kann man wieder weiter schaffen, der Kopf bleibt klar und wird von Tag zu Tag klarer, weil man ihm durch die Einatmungsübung die Arbeit erleichtert.

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