4. Einatmungs-Übung

Setzen wir dann noch die zweite, entgegengesetzte Form hinzu, das Einatmen, indem wir beim Einatmen im Innern uns bewußt sind des leisen Seufzers, dann wird uns die Umwandlung, Konverte, das umschlagende Wirken. Mit jedem vollen Einzuge ist es wie ein Palmsonntag sozusagen: man zieht ein in sein Eigentum, der Weg ist uns bereitet. Wir ziehen ein in der Fülle unseres Gedankenwesens, das auf den Einzug verlegt ist.
Diese Wellen kommen, wenn wir einziehen, sie erweitern sich und wir bekommen das Gefühl gleich einem wogenden Meer. So erweiternd ist das Gefühl durch diesen eingezogenen Atem, daß alles sich in uns Aufgestapelte sich konvertiert, umwandelt und diese Wirkung ist uns oftmals gleich einem Seufzer, einem inneren Schluchzen.
Man hat es schon gemerkt, aber immer zu unterdrücken gesucht, weil man sich sagte: "Am Ende bin ich etwas melancholisch angelegt." Dann braucht man Mittel um dies loszuwerden. Aber wir sollen diesem in sich schluchzenden Wallen freien Lauf lassen. Wenn wir uns dann mit der gleichen Formel ein- bis fünfmal täglich üben, ohne Übertreibung, aber mit liebevoller Aufmerksamkeit, mit Liebe für das, was man angezogen hat, dann wird einem vermittels der Konverte die Empfängnis, eine unbefleckte Empfängnis, die sich dann von Tag zu Tag weiter zieht und erweitert und diese Materie nach und nach vergeistigt. Das bedeutet, daß die in den Zellen enthaltene Intelligenz sich ihrer bewußt wird und die Zelle demgemäß ihre richtige Stellung bewußt einnimmt.
Dann kann mir nichts mehr zustoßen, ich kann keinen Schaden mehr nehmen. Die Zellintelligenzen halten alles von sich ab, wo vorher noch Einfluß möglich war. Jetzt ist das Zellenwesen einflußfrei. Je mehr Zellen sich ihrer Freiheit bewußt werden, umso mehr werden wir im großen Ganzen selbstbewußt.
Natürlich übertreibt man die Übung nicht; das tut nicht gut. Die Natur wirkt beim Einatmen nur für 3 Minuten. Sobald man sie weiter führen will, schlägt sie zurück. Denn die Natur ist wie ein feinfühlendes Pferd, ein Vollblut: es schlägt aus, wenn man es mit der Peitsche antreiben will; es leidet das nicht.
Diese beiden Übungen des Ausatmens und des Einatmens sollten wir nie vergessen. Passiert einem etwas materiell, körperlich: gleich die Ausatmungsübung. Bedrückt uns etwas, greift uns etwas an: gleich die Einatmungsübung.
Dazwischen setzt man immer ein Momentum des Wartens, ohne aber dabei einen Gedanken zu setzen; ein Gedanke kommt uns von selbst. Erst wenn man das zuwege bringt, bekommt man den Körper unter die Kontrolle, wird man frei von Grübeleien. Ein solcher Zustand läßt sich dann weiter entwickeln und dann kommt man erst zum Studium der Atemlehre.

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