3. Ausatmungs-Übung

Solange wir glauben, meinen, daß wir immer noch Mängel und Gebrechen haben, dann müssen wir öfters des Tages die Ausatmung üben, also fünfmal des Tages bis zum Äußersten ausatmen, bis es scheint, als könnten wir nicht mehr, aber wir müssen immer noch weiter ausatmen. Geht es gar nicht weiter, dann endlich atmen wir ein, aber wellenartig, nicht wie es die Natur macht, die geradlinig eingeht: also unser Leib beginnt sich nach dem Sonnengeflecht zu zu ziehen über dem Einatmen, sodaß die große Welle in den Brustkasten kommt.
Wenn wir aufmerksam dabei sind und unsere Sinne auf ein einziges Ziel setzen, werden uns von da aus die Wirkungen klar, wir verarbeiten alle die einziehenden Wellen mit allem, was ihnen von der Natur anheimgestellt ist, soweit es sich nur in den Lungen verarbeiten läßt, und deponieren es schließlich im System, um davon Gebrauch zu machen zur geeigneten Zeit. Wenn etwas mehr Kraft oder Anstrengung nötig ist, dann kommen uns die geschaffenen Elemente immer wieder zu Hilfe.
Wir dürfen nicht mehr die Mängel und Gebrechen unterstützen, sondern atmen einfach aus, immer wieder, immer weiter aus, es zehn- bis zwölfmal versuchend, ohne die Stellung zu ändern. Man macht sich ausatmend, aber einatmend nimmt man nur soviel ein, als Luft von selbst einzieht.
Dabei ist man sich immer seiner selbstbewußt und paßt auf die Wellen. Sollte dann am Ende des Ausatmens aus dem Innern so ganz unverhofft ein Stöhnen, ein Stoß kommen, ohne daß man daran gedacht hat, so darf man das nicht unterdrücken. Denn es ist der Natur eigen und liefert den Beweis, daß sie sich vermöge ihrer Intelligenz gewahr geworden ist einer Änderung, einer Umwandlung ihres Wesens. Kommt uns dann im Einatmen ein Seufzer zurück, so ist das wieder ein Schritt der Entwicklung, der nicht unterdrückt werden darf.
Die Natur wählt sich immer ihren eigenen Weg. Wenn uns etwas zugestoßen ist, stöhnt man innerlich; wenn einem Unannehmlichkeiten oder Verluste wurden, seufzt man, schluchzt man, Tränenströme rinnen, weil wir keinen Gedanken fassen können, das ist ganz natürlich. Also nur nicht einander trösten wollen. Denn die Art und Weise, wie wir einander Trost geben, gleicht tatsächlich nur einem In-den-Weg-stellen, sodaß wir nicht wissen, sollen wir weiter oder sollen wir zurück. Dann gibt es einen Rückschlag; denn das Leben ist Freiheit. Das Stöhnen, Seufzen, Schluchzen, Weinen bringt uns allmählich wieder zur Besinnung und so wir auf natürlichem Wege zur Besinnung kommen, kommt uns auch ein wertvoller Gedanke.
Wenn uns etwas zustößt, wenn wir erkranken, müssen wir uns immer sagen: "Es geschieht mir ganz recht, jetzt sehe ich um soviel mehr ein." Dann heißt es, umso mehr ausatmen, und zwar alle 3 ½ Stunden für fünf Minuten ausstoßen, was sich angesammelt hat, damit sich keine Hindernisse in den Weg legen.
Da nun die Weisen ihrer Zeit es den Unentwickelten noch nicht genug klar machen konnten, was für eine Bewandtnis es mit der Ausatmung hatte, weil es an der nötigen Gehirnentwicklung fehlte, so lehrte man sie Gebete, um sie zum Ausatmen anzuhalten. Denn der Durchschnittsmensch kann ja dem Atemzuge nicht folgen, ohne daß Worte dabei sind. Aber nicht die Worte machen es, sondern das Aussprechen, Ausatmen ohne Unterlaß ist es.
Die Jünger, die zum Heiland kamen, wollten ja auch eine Formel gelehrt haben, weil sie nicht weiter kamen mit der von Johannes erhaltenen. Deshalb sagte der Heiland: "So ihr betet, betet also und ohne Unterlaß!" Und dann spricht er ihnen die Formel vor, die sie einen Schritt weiterbringen soll. Wenn wir öfter des Tages, etwa fünfmal, dieser Formel eingedenk sind, sie mit Wellenschlägen ausatmen und uns dabei unserer Stellung bewußt bleiben, dann können wir uns darauf verlassen, daß wir nicht nur körperlich gesund sind, sondern daß wir in uns eine Intelligenz geschaffen haben, die alles Widerwärtige aufsaugt, abzieht und dem natürlichen Ausgange überweist. Es entwickelt uns nicht intellektuell oder spirituell, aber es richtet uns immer wieder auf und wir können immer wieder mit Leichtigkeit verrichten, was in das Bereich der Materie gehört.

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