1. Atempflege Zeit Lebens

Wenn man das Studium der Atempflege aufnehmen will, muß man selbst denken. Insoweit man dann diesen Gedanken festhält, wird einem die Klarheit, sie wird einem mit jedem Atemzuge mehr: jeder Atemzug wird einem eine erweiterte Offenbarung.
Wie das Gehirn nur zum Teil entwickelt und aufnahmefähig ist bei uns, so sind auch unsere Organe nur zum Teil aufnahmefähig. Wenn wir mit jedem Atemzuge die darin enthaltenen Elemente verkörperten, also die Atemwirkung sich hindurchzöge durch eine jede Lungenzelle und dort alles ablagerte, was im Atemzuge enthalten ist, so könnten wir das kaum fassen und die Augen könnten es nicht ermessen.
Nur ein winzig kleiner Teil des Eingeatmeten erreicht das Lungenwesen. Nur der geringste Teil der Chemikalien wird verbraucht und nur insoweit, als der Erhaltungstrieb in uns schafft. Das andere offenbart, entwickelt sich nicht und wird daher mit dem nächsten Atemzuge wieder hinausgestoßen mit der Kohlensäure usw. So dient uns das Dynamo oder das Lungenwesen zuerst für den Selbsterhaltungstrieb.
Wollen wir mehr von der Lunge, so muß uns die Intelligenz durchwirken. Genau in dem Sinne, in dem wir die Atemübungen vornehmen, ziehen wir an uns, verarbeiten wir uns die zu uns kommenden Elemente. Daher heißt es gleich bei der 1. Atemübung: alles vergessen und nur an den Atem denken. Darum werden auch die Augen festgesetzt auf einen Punkt, damit die in uns enthaltenen Ideen nicht aufkommen können und wir den Atem konzentriert an uns ziehen und wieder ausstoßen, also mittels des Gefühles fühlbar werden des Einziehens und des Ausholens.
Mit jedem Atemzuge müssen wir einziehen den Geist der Wiederbelebung, an uns ziehen, an uns atmen den Odem des Lebens, auf daß sich in unserem Inneren immer mehr Raum mache der ewigwirkende Gedanke, der immer neue Verbindungen knüpft mit dem, was uns umgibt.
Alles in der Atmosphäre Enthaltene soll nicht nur Einzug machen in uns, sondern es soll vermöge unseres Denkenswesens in uns aufgenommen, verarbeitet und je nach Bedarf verteilt werden. Die Verteilung der Güter, die ausgleichende Verteilung des Guten, des immer wieder Neubelebenden, soll stattfinden in uns. So ein solcher Zustand zuwege gebracht ist, da kann man gar nicht mehr anders, kann nicht mehr Fremdes, nicht mehr befremdlich denken, sondern man denkt einheimisch, selbstbewußt.
In demselben Grade, wie wir bewußt atmen, wird uns immer wieder eine Intelligenz nach der andern offenbar gemacht. In dem Sinne, in dem wir handeln, wird uns sozusagen der Segen. Aber immer spielt die Konzentration die Hauptrolle. Immer klarer wird man, was sie eigentlich ist, was dabei vor sich geht und was wir dabei bezwecken.
Ja, der Heiland sagte: "Es sei denn, daß ihr von neuem geboren werdet, könnt ihr nicht in die Erkenntnis oder das Reich Gottes eingehen." Immer wieder neu-geboren werden muß in uns das Herz, der Geist, die Seele, das Gesinn, das ganze Organwesen der Blutumlauf, das Generv, das Gedrüs, eine jegliche Zelle. Daß das nicht in einem Nu möglich ist, kann man wohl denken. Schritt für Schritt aber kommt uns eine Entwicklung nach der andern.
Da darf man sich also nicht begrenzen mit dem Gedanken, daß man schon etwas erreicht habe und das andere keinen Wert mehr für einen habe. Wer mit der Atemlehre schon Halt macht, wenn er eine etwas normalere Gesundheit erlangt hat, der begrenzt sich. Wir dürfen uns aber nie zufrieden geben mit dem schon Erreichten.

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