Einleitung

Bevor wir uns dem eigentlichen Studium der Atem- und Gesundheitskunde widmen, müssen wir uns mit wesentlichen Grundvoraussetzungen befassen, um den Erfolg der rhythmischen Atemübungen zu gewährleisten. Vor allem sollten wir uns klar sein, dass lesen und studieren die eine Seite der Medaille ist, die praktische Ausführung aber die Andere. Lesen und studieren geht natürlich der Praxis voraus, wer aber auch ernsthaft die hier beschriebenen Übungen durchführt, der wird mit seinen Erfolgen in höchstem Maße zufrieden gestellt werden.

Die Mazdaznan-Atemkunst  ist zwar uralt und in allen alten heiligen Schriften zu finden. Neu daran ist nur die der Gegenwart entsprechende schlichte Form: die allgemein verständliche Sprache, frei von Geheimnistuerei und heute nicht mehr verstandenem Bildwerk, und die Anleitung zur praktischen Durchführung. So hat sie sich schon hunderttausendfach bewährt und ist daher für alle Temperamente verwendbar. Alles, was die Lehre von ihren Schülern verlangt, ist sorgfältige Selbstprüfung mit natürlichem, offenem Sinn.

Wer die Anweisungen und Ratschläge getreulich und richtig befolgt, wird gleich von Anfang an gute Erfolge haben. Wer die einleitenden Grundatemübungen und die rhythmischen Atemübungen mindestens drei Monate lang regelmäßig und mit Sammlung geübt hat, dem werden sie zu unentbehrlichen, Glück und Schutz bringenden Begleiterinnen durch alle Tage werden. Jede der rhythmischen Atemübungen sollte dabei nicht länger als 3 Minuten dauern, wobei die erste rhythmische Atemübung die Wichtigste und für jedermann zur täglichen Anwendung bestimmt ist. Die übrigen Übungen sollen mehr den Ausgleich der Körper- und Geisteskräfte fördern. Nachdem man alle eine Zeitlang geübt hat, wähle man sich zum regelmäßigen Gebrauch die Übungen aus, die mit Rücksicht auf die persönlichen Verhältnisse die beste Wirkung haben.

Nachdem man mit den einzelnen Atemübungen schon ausgiebige Erfahrungen gemacht hat, kann man auch mehrere rhythmische Übungen hintereinander durchführen. Dann sollten sie zusammen allerdings nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauern und erst nach einer Pause von vier bis sechs Stunden wieder durchgeführt werden. Die Körperübungen des zweiten Teils der Atemkunde sollten nicht mehr als zehn Minuten hintereinander in Anspruch nehmen und erst nach sechs Stunden wiederholt werden. Nebenbei gesagt, gilt dies für Übungen aller Art; denn zu lange ausgedehnt, wirken sie nicht mehr anregend, sondern ermüdend und zerstreuend.

Die ägyptischen Übungen befinden sich in der 13. Lektion des Buches. Sie sind zur vollständigen Ausheilung des Körpers und an die daran geknüpfte vollkommene Entfaltung der Geisteskräfte von größter Wichtigkeit und verdienen daher unsere volle Aufmerksamkeit.

Niemand ist zu jung oder zu alt für die Atemübungen, denn in jedem Alter kann man sie durchführen und Vorteil aus ihnen ziehen.

Allmählich fangen auch die Wissenschaftler und Erzieher an, den Wert der bewussten Atempflege zu erkennen. Viele Lehrer haben schon regelmäßige Atemübungen mit ihren Schülern durchgeführt und nach einigen Monaten erreicht, dass die bisher interesselosen, teilnahmslosen, gleichgültigen und stumpfen Kinder Lust und Liebe zum Lernen entwickelten, und zwar nicht nur auf einem bestimmten Gebiet oder in einem bestimmten Thema, sondern auf allen Gebieten des Lehrplans. Gleichzeitig hatten alle Kinder körperlich und gesundheitlich Fortschritte gemacht, sodass solche „Atem-Klassen“ in jeder Beziehung über dem Durchschnitt standen, weil alle Kinder kräftiger, lebendiger, geweckter, liebenswürdiger und folgsamer waren und sich freudig und eifrig jedem neuen Thema, das ihnen der Lehrer anbot, zuwandten.

Ebenso haben schon viele religiöse Gemeinschaften die Mazdaznan-Methode des Singens, Sprechens und Betens auf den Atem angenommen und die Erfahrung gemacht, dass sie dadurch bei ihren Mitgliedern größere Religiosität erwecken, dass viele Mitglieder den Pfingstgeist der Illumination oder Erleuchtung erleben und Heilkräfte offenbaren, die kein Apothekermittel hervorzulocken vermag.

Die bewusste Atempflege birgt also mehr in sich, als wir ahnen.


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